Nachhaltiges Wirtschaften im Einklang mit der Natur

Als Unternehmen der Bauwirtschaft ist Schüco auf verschiedene natürliche Ressourcen angewiesen. Dazu zählen insbesondere Aluminium- und Eisenerze, Erdöl sowie Sand. Deren Gewinnung und Verarbeitung ist zudem mit hohem Flächenverbrauch und Wassereinsatz verbunden. Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet für uns, die vorhandenen Ressourcen nicht zu übernutzen – und dort, wo dies bereits geschehen ist, aktiv zur Entlastung und Regeneration von Ökosystemen beizutragen.

20250516_1448_Fußball-T-Shirt im Stadion_remix_01jvcj3tqvetssbtt978a4t0ma Kopie
© WWF / James Morgan

Wertschöpfung und Umwelt: Zusammenhänge verstehen

Materialverarbeitung, Transport, Gebäudeplanung: Entlang unserer Wertschöpfungskette beeinflussen wir Ökosysteme auf vielfältige Weise. Der Abbau von Bauxit, dem Grundstoff für Aluminium, und die Förderung von Erdöl für die Kunststoffherstellung greifen erheblich in natürliche Lebensräume ein. Auch die Gestaltung und die Nutzung von Gebäuden wirken sich auf Flächenverbrauch und Umwelt aus. Umgekehrt sind intakte Ökosysteme eine wichtige Voraussetzung für unseren wirtschaftlichen Erfolg. Das wird vor allem dann sichtbar, wenn Extremwetterlagen zu Störungen in der Lieferkette führen.

Viele der negativen Auswirkungen auf Biodiversität, Böden, Luft und Wasserressourcen entstehen in vorgelagerten Prozessen, außerhalb unseres direkten Verantwortungsbereichs. Doch durch unsere Materialbeschaffung tragen wir mittelbar dazu bei.

Um unsere Umweltwirkungen gezielt zu steuern und nachhaltige Lösungen zu fördern, ist es entscheidend, die Zusammenhänge zwischen unseren Abhängigkeiten und ihre Auswirkungen besser zu verstehen.

20250516_1448_Fußball-T-Shirt im Stadion_remix_01jvcj3tqvetssbtt978a4t0ma Kopie
© WWF / Claudi Nir

Unsere Herangehensweise

Gemeinsam mit dem WWF entwickeln wir aktuell eine Umwelt- und Klimastrategie, um biodiversitäts-, wasser- und rohstoffbezogene Aspekte sowohl im direkten Einflussbereich als auch entlang der Wertschöpfungskette systematisch zu identifizieren und zu adressieren. Unser Ziel ist es, negative Auswirkungen auf Ökosysteme zu minimieren und gleichzeitig zum Erhalt und zur Regeneration natürlicher Lebensräume beizutragen. 

Standortentwicklung und Landnutzung

Wir vermeiden Versiegelungen und versuchen – wo nicht anders möglich – bebaute und versiegelte Flächen unter Berücksichtigung von Biodiversitätskriterien aufzuwerten. Dazu zählen beispielsweise Dach- und Fassadenbegrünungen oder Konzepte zur Rückgewinnung von Regenwasser. 

Umgang mit Wasser

Wir haben 2025 damit begonnen, eine umfassende Wasserstrategie zu entwickeln, die sowohl eigene Standorte als auch Risikogebiete innerhalb der Lieferkette umfasst. Im Rahmen dieses Prozesses prüfen wir aktuell, welche Standorte in Gebieten mit hohem Wasserstress liegen, um auf dieser Basis entsprechende Maßnahmen und Übergangspläne abzustimmen. Ein Abschluss der Strategie- und der Maßnahmenplanung ist für das Jahr 2026 vorgesehen. Bis dahin werden die Risiken kontinuierlich überwacht und im Rahmen unseres jährlichen Nachhaltigkeitsreportings transparent adressiert.

Auswirkungen auf Meeresökosysteme

Unsere Geschäftsaktivitäten stehen nicht in direktem Zusammenhang mit Ozeanen oder Meeren. Indirekte Auswirkungen auf Meeresökosysteme ergeben sich jedoch durch Emissionen und Einträge entlang der Wertschöpfungskette – beispielsweise bei Transporten, beim Energieeinsatz oder bei der Rohstoffgewinnung. Diese Aspekte adressieren wir im Rahmen unserer übergeordneten Umwelt- und Klimastrategie, insbesondere durch Maßnahmen zur Reduzierung von CO₂-Emissionen, Abfällen und wasserbezogenen Umweltauswirkungen. 

Entwaldung

Wir verwenden Holz nur in geringem Umfang. Uns ist jedoch bewusst, dass Entwaldung entlang globaler Lieferketten ein relevantes Nachhaltigkeitsthema darstellt. Vor diesem Hintergrund ist das Thema Bestandteil unserer strategischen Überlegungen zum Umgang mit biodiversitäts- und wasserrelevanten Nachhaltigkeitsaspekten. Im Rahmen unserer eigenen Materialbeschaffung achten wir darauf, dass Holz- und Papierprodukte aus verantwortungsvollen Quellen stammen. Soweit möglich, setzen wir zertifizierte Materialien (z. B. FSC- oder PEFC-zertifiziert) ein. 

Umgang mit Mikroplastik

In unserer Kunststoffsparte setzen wir polymerbasierte Materialien ein, die gemäß der regulatorischen Definition als Mikroplastik einzuordnen waren. Die Verarbeitung erfolgt in geschlossenen beziehungsweise kontrollierten technischen Systemen, sodass nach aktuellem Kenntnisstand keine relevanten unbeabsichtigten Freisetzungen von Mikroplastik in Luft, Wasser oder Boden auftreten. Dennoch kann es zu geringfügigen Freisetzungen von Mikroplastik kommen, beispielsweise durch Materialverluste beim Handling oder durch Verwehungen. Für das Berichtsjahr wurde die freigesetzte Menge auf rund 0,3 t geschätzt. 

Zur Minimierung solcher Verluste hat Schüco Maßnahmen zur kontrollierten Handhabung und Reinigung implementiert. Dazu zählten unter anderem definierte Reinigungszyklen, standardisierte Prozesse für den Umgang mit Störfällen sowie der Einsatz industrieller Absaugsysteme. Die Maßnahmen orientierten sich an den Anforderungen der freiwilligen „Operation Clean Sweep“-Initiative, einem international anerkannten Standard zur Vermeidung von Granulatverlusten in der Kunststoffindustrie. Wir befinden uns aktuell in der Vorbereitung auf eine entsprechende Zertifizierung.

Materialgesundheit

Im Zuge der im Berichtsjahr durchgeführten doppelten Wesentlichkeitsanalyse haben wir uns ausführlich mit dem Aspekt der Materialgesundheit unserer Produkte beschäftigt. Diese bestehen überwiegend aus Aluminiumlegierungen, Stahl sowie polymeren Werkstoffen (insbesondere Thermoplasten und Elastomeren).

Aluminiumprofile

2025 waren 95 unserer Aluminiumsysteme nach dem Cradle-to-Cradle-Standard (C2C) zertifiziert: Davon erreichten 80 Systeme die Stufe „Silber“ und 15 die Stufe „Bronze“. Die Zertifizierung setzte im Bereich „Materialgesundheit“ eine systematische Bewertung der eingesetzten Inhaltsstoffe voraus. Für die Stufe „Silber“ wurden rund 95 Prozent der im jeweiligen System eingesetzten Substanzen erfasst, bewertet und hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Menschen und Umwelt als unbedenklich eingestuft. 

Um mehr über die bislang nicht ausgewerteten Materialien zu erfahren und um nachzuweisen, dass unsere Produkte alle Grenzwerte der EU-Chemikalienverordnung (REACH) einhielten, begannen wir im Berichtszeitraum damit, unsere bestehende Stoffbewertung über den bisherigen C2C-Scope hinaus zu erweitern. Wir nahmen dazu insbesondere die Stoffklasse „SVHC“ (Substances of Very High Concern, zu deutsch: besonders besorgniserregende Stoffe) in den Fokus. Die REACH-Verordnung sieht vor, dass Produkte, deren SVHC-Anteil 0,1 Gewichtsprozent überschreiten, besonders gekennzeichnet werden müssen.

Nach aktuellem Kenntnisstand konnten potenzielle SVHC-Vorkommen insbesondere in Beschlagskomponenten auftreten. Dabei handelt es sich um funktionale Metallbauteile mit einem typischen Einzelgewicht zwischen 0,1 und 0,3 kg. Auf Basis vorläufiger Hochrechnungen könnte sich ein potenziell betroffener Stoffmengenbereich ergeben, der bezogen auf die jährliche Verkaufsmengen im unteren einstelligen Tonnenbereich liegt. Eine abschließende quantitative Bewertung ist derzeit in Erarbeitung. 

Kunststoffprofile

Unsere PVC-Produkte werden ausschließlich unter Verwendung von gesundheitlich unbedenklichen Calcium-Zink-Stabilisatoren hergestellt. Es lag eine Bestätigung vor, dass der Gehalt an Zinn sowie SVHC-Phthalaten im Sinne der DGNB-Kriterien ENV1.2 (2018) unter 0,1 Prozent betrug. Der Cadmium-Gehalt lag unter 0,01 Prozent.

Bei unseren CO₂-optimierten Materialgüten BALANCED PVC und RECYCLED PVC wurde bei entsprechender Verfügbarkeit im Innenkern der PVC-Profile Altfenstermaterial eingesetzt. Altbestände enthalten mitunter Bleistabilisatoren als sogenannte "Legacy Additives". Der Gebrauch dieser Stabilisatoren wurde in einer freiwilligen Initiative der europäischen Systemhäuser bis 2004 beendet, ein EU-weites Verbot erfolgte allerdings erst 2015. Die Bleiverbindungen sind unlösbar im Werkstoff eingebunden, so dass ihre Anwendung keine Einschränkung nach sich zog und alle diesbezüglichen REACH-Vorgaben eingehalten wurden.  

Biodiversität und Wasser

So bestimmen wir unsere wesentlichen Themen

20250516_1448_Fußball-T-Shirt im Stadion_remix_01jvcj3tqvetssbtt978a4t0ma Kopie

Softwaregestützte Analyse

Mithilfe des WWF Risk Filter haben wir potenzielle Auswirkungen, Risiken und Chancen entlang unserer Wertschöpfungskette bestimmt. Dabei standen die für uns zentralen Materialien Aluminium, PVC, Stahl und Glas im Fokus. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden mithilfe einer vierstufigen Skala bewertet.

20250516_1448_Fußball-T-Shirt im Stadion_remix_01jvcj3tqvetssbtt978a4t0ma Kopie

Standortanalyse

Im Projekt mit der Umweltstiftung Michael Otto wurden Kriterien für eine standortspezifische Betrachtung von Biodiversitätsthemen erarbeitet. Gemeinsam mit dem WWF arbeiten wir nun daran, diese Kriterien in eine Strategie zu überführen, um in einem nächsten Schritt strukturierte Daten zu erheben.

20250516_1448_Fußball-T-Shirt im Stadion_remix_01jvcj3tqvetssbtt978a4t0ma Kopie

Stakeholder-Dialoge

Durch den Austausch mit Experten – in persönlichen Gesprächen, Diskussionsforen und Multi-Stakeholder-Initiativen – schärfen wir unser Verständnis der ermittelten Nachhaltigkeitsthemen und ihrer Relevanz.

„Als Unternehmen der Bauwirtschaft tragen wir eine besondere Verantwortung, Biodiversität zu bewahren und unseren Wasserfußabdruck zu minimieren. Deshalb arbeiten wir aktuell daran, unsere spezifischen Auswirkungen auf Ökosysteme besser zu verstehen.“

Jörg Warning, Senior Expert Sustainability

20250516_1448_Fußball-T-Shirt im Stadion_remix_01jvcj3tqvetssbtt978a4t0ma Kopie
© WWF / Claudi Nir

Unsere nächsten Schritte

Aktuell entwickeln wir gemeinsam mit dem WWF eine Strategie, um biodiversitäts-, wasser- und rohstoffbezogene Aspekte sowohl in unserem direkten Einflussbereich als auch entlang der Wertschöpfungskette systematisch zu identifizieren und zu adressieren.

Unser Ansatz basiert auf dem Verständnis, Nachhaltigkeit als ganzheitliche Herausforderung im Sinne der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) zu betrachten. Unser Ziel ist es, negative Auswirkungen auf Ökosysteme durch standortspezifische Maßnahmen zu minimieren und die Regeneration dieser Naturräume zu fördern.

Den zentralen Hebel sehen wir in der Kreislaufwirtschaft: Durch den verstärkten Einsatz recycelter und ressourcenschonender Materialien reduzieren wir die Abhängigkeit von Primärrohstoffen – und leisten so einen aktiven Beitrag zum Schutz der Umwelt.

Natur- und Umweltschutz : Zentrale Kennzahlen

Wasserbezogene Kennzahlen

Wasserbezogene Kennzahlen

Wasserverbrauch in Kubikmeter (m3)2025 
Gesamtwasserverbrauch171.903 
Gesamtvolumen des zurückgewonnen und wiederverwendeten Wassers 26.142 
Gesamtvolumen des gespeicherten Wassers5.044