Belle Harbour

Vom Kunstobjekt zu Wohnraum

Das inmitten der Hamburger HafenCity liegende Wohnprojekt „Belle Harbour“ verknüpft Architektur, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung auf beispielhafte Weise. Der filigrane Wohnturm mit seiner klar gegliederten Fassade, den vertikalen Einschnitten für Balkone und der markanten Krone mit Dachgarten setzt einen markanten Akzent im Stadtbild und ist gleichzeitig ein Statement für ressourcenschonendes Bauen und inklusives Wohnen.

Details zur Referenz

Gebäudetyp Mehrfamilienhaus
Produktbereiche Fenster Türen Lüftung
Schüco Systeme AD UP 90 AWS 90.SI+ AWS 120 CC.SI AWS 70.HI VentoAir VentoFrame
Merkmale Neubau Zirkularität Barrierefreiheit Investoren
Standort Hamburg, Hamburg
Fertigstellung 2024
Architekten Winking Froh Architekten GmbH
Fachbetrieb Geerds Metallbau GmbH
Bildnachweis Architekturfotografie Bach

Inklusives Wohnen

Entwickelt vom Berliner Büro Winking Froh Architekten, bietet Belle Harbour siebzehn Wohnungen, Gemeinschaftsflächen und eine Dachterrasse, die als Ort des Miteinanders für Familien und sehbehinderte Menschen konzipiert sind. Das Bauvolumen des Wohnturms wird durch skulpturale Einschnitte gegliedert, die den Bewohnerinnen und Bewohnern großzügige Balkone eröffnen und gleichzeitig die vertikale Wirkung des Gebäudes verstärken. Die massive Dachkrone mit Garten und Gemeinschaftsterrasse bildet den krönenden Abschluss. Hier verdichtet sich das Konzept eines inklusiven, gemeinschaftlich gedachten Wohnens: ein Ort, an dem Menschen mit und ohne Sehbehinderung zusammenleben, unterstützt durch barrierefreie Planung, spezielle Orientierungshilfen und ein ergänzendes Mobilitäts- und Lernangebot.

Konsequent zirkulär

Die Umsetzung der Vorgaben des Umweltzeichens der HafenCity Hamburg in fünf Kategorien, bei der die Recyclingfähigkeit und Umweltwirkung der Materialien betrachtet werden, bildet die Grundlage für das Projekt Belle Harbour. „Wir nehmen die Anforderungen der HafenCity sehr ernst”, betont Dr. Stephanie Gamm, Gründerin und Projektleiterin von Belle Harbour. „Jedes Material wird bei uns im Lebenszyklus betrachtet – von der Herstellung bis zum möglichen Rückbau. Unser Ziel ist es, graue Energie zu vermeiden, CO₂ zu reduzieren und Baustoffe so auszuwählen, dass sie sich später trennen und wiederverwenden lassen. Damit entsteht ein Haus, das nicht nur effizient betrieben wird, sondern eines Tages selbst Teil des Materialkreislaufs sein kann.“

Panoramabild eines modernen Beton Hauses mir großen Schüco Fenstern

Die besondere Geschichte der Fensterprofile

Ein bemerkenswerter Aspekt der Entstehungsgeschichte von Belle Harbour betrifft die Fensterprofile. Die rund 500 Aluminiumprofile, aus denen die etwa 160 Fenster gefertigt wurden, hatten bereits ein erstes Leben – allerdings nicht als Bauelemente, sondern als Teil einer Kunstinstallation beim Hamburger Architektursommer 2023. Damals errichtete das Künstlerkollektiv umschichten auf den Magellan-Terrassen in unmittelbarer Nähe zur Elbphilharmonie einen Pavillon aus Aluminium und Holz. Die normalerweise für Fenster vorgesehenen Profile wurden in eine raumgreifende Skulptur verbaut, die als Bühne, Treffpunkt und Denkraum diente. „Unsere Projekte, die sich mit Zirkularität beschäftigen, sind geprägt von einem behutsamen Umgang mit dem Material – aber immer unter der Prämisse, dass man sie auch wieder sortenrein dekonstruieren kann, damit sie weiterwandern können. Das mündet letztendlich in einer Wertschätzung unserer Ressourcen”, beschreibt Künstler Lukasz Lendzinski die Botschaft der Installation.

Gebäude als Rohstofflager der Zukunft

Nach Ende des Architekturfestivals wurden die Aluminiumprofile sortenrein zurückgebaut, eingelagert, überprüft und neu beschichtet. Anschließend flossen sie in den Produktionsprozess zurück und wurden durch Geerds Metallbau zu Fensterrahmen weiterverarbeitet. Im Projekt Belle Harbour fanden sie schließlich ihren endgültigen Bestimmungsort. „Die Profile wurden wie Neumaterial verarbeitet“, berichtet Karl Geerds. „Weder in der Produktion noch bei der Montage haben wir Unterschiede gemerkt.“ Die zuvor von Schüco koordinierte Qualitätsprüfung und das Gutachten des Beschichters bestätigten, dass die wiedergewonnenen Profile uneingeschränkt verwendbar sind. „Das Projekt war für uns ein echtes Pilotvorhaben“, ergänzt Geerds. „Es zeigt, dass Recycling im Aluminiumsektor technisch problemlos möglich ist – und zwar ohne Qualitätsverlust.“

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Pilotprojekt für kreative Zirkularität

Schüco sieht in diesem Projekt ein Beispiel für die Zukunft des Bauens: „Gebäude sind Rohstofflager. Alles, was wir hier verbauen, hat auch nach dem Ende der Lebenszeit des Gebäudes noch einen Wert“, betont Jochen Strellmann, Leiter des Projektgeschäfts in Hamburg. Durch moderne Trenn- und Sortierverfahren können Aluminiumfenster nahezu vollständig recycelt werden – bis zu 98 Prozent des Materials lassen sich wieder in den Kreislauf zurückführen. „Diese Zwischennutzung der Profile zeigt, dass Gebäude Rohstofflager sind – und dass dieser Rohstoff zugleich ein Wertstoff ist, der am Ende seiner Nutzungsdauer weiterverwertet werden kann“, fasst Strellmann zusammen.

Die Wertschätzung von Ressourcen im Fokus

Belle Harbour setzt in mehrfacher Hinsicht Maßstäbe – architektonisch, gesellschaftlich und ökologisch. Die Geschichte der Aluminiumprofile – von der Kunstinstallation über den Rückbau bis zum Einbau – steht beispielhaft für einen neuen Umgang mit Ressourcen. Getreu dem Motto „Umschichten“ von Material, Architektur und Stadt aus dem Hamburger Architektursommer wurde so aus einem temporären Kunstobjekt ein dauerhafter Baustein für nachhaltiges Wohnen.