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Interview

Heute schon an morgen denken

Eva Maria Herrmann im Gespräch mit Dr. Winfried Heusler
Senior Vice President Global Building Excellence / Schüco International KG

Schüco begeht dieses Jahr sein 70-jähriges Unternehmensjubiläum. Aus einem kleinen Metallbaubetrieb wurde ein internationaler Player in Sachen Fassadentechnik. Die Anforderungen an unsere Häuser und Städte werden immer komplexer und stellen Architekten, Ingenieure und Fassadenplaner vor große Herausforderungen. Technologie und Funktionalität sind das eine, gute Gestaltung und Usability das andere. Nicht erst seit der Pandemie hat das Thema Komfort und Gesundheit eine hohe gesellschaftliche Relevanz. Sich immer wieder selbst zu hinterfragen und neu zu erfinden, ist das Prinzip, nach dem Schüco seit vielen Jahren Innovationen entwickelt. Zeit für einen Blick zurück und einen Ausblick in die Zukunft unserer Städte von morgen mit Dr. Winfried Heusler, Senior Vice President Global Building Excellence / Schüco International KG.

© Foto: Schüco International KG

PROFILE: Was waren für Sie persönlich diespannendsten Projekte, an denen Schüco gearbeitet hat ?
Ich denke dabei an drei völlig unterschiedliche Erlebnisse, die gleichzeitig meinen Werdegang bei Schüco widerspiegeln.
Das erste war das Bauvorhaben »McLarenTechnology Center« in England. Hier erlebte ich auf beeindruckende Art, wie effizient Architekten und Ingenieure beim Value Engineering Funktion und Gestaltung unter Einhaltung des Budgets in Übereinstimmung bringen können, wenn sie an einem Strang ziehen und auf Augenhöhe zusammenarbeiten.
Das zweite war das interne Entwicklungsprojekt »ZERO«. Es ging um klima- und kulturgerechte Produkte, Tools und Services. Wir tauchten mit einem fachübergreifenden und internationalen Team – z.T. auch vor Ort – ganz tief in den faszinierenden Pilotmarkt Indien ein. 
Schließlich erinnere ich mich sehr gerne an unsere drei Symposien, indenen Jung und Alt in interdisziplinärer und interkultureller Runde – teilweise kontrovers, aber stets offen und fair – sehr spannende Themenfelder diskutierten: »Zukunftsstadt 2050«, »Building Healthy Buildings« und »Zukunft der Arbeit im digitalen Zeitalter«.


PROFILE: Vor kurzem hat Schüco die Onlineplattform »i.NNOVATIONNOW« gestartet. Was verbirgt sich dahinter?
Aufgrund der besonderen Situation durch das Coronavirus haben wir uns entschieden, unseren Partnern und Architekten eine digitale Alternative zur Messe BAU in München anzubieten. Es geht darum, unsere Produkt-Highlights 2021 zu präsentieren. Damit wollen wir unsere Technologie- und Serviceführerschaft untermauern.
Die Anzahl der Teilnehmer und das Feedback auf unsere Auftaktveranstaltung waren überwältigend.


PROFILE: 70 Jahre Schüco – kein Grund, sich auszuruhen. Was sind die wichtigsten Herausforderungen, denen sich die Baubranche in den nächsten Jahren stellen muss?
Mittel- und langfristig prägen die Megatrends Urbanisierung und demografischer Wandel, Klimawandel und Nachhaltigkeit sowie Digitalisierung und Individualisierung unser Handeln. Im Zusammenhang damit wird die Markt- und Kundenorientierung deutlich an Bedeutung gewinnen. 
Zudem unterliegt die Baubranche kurzfristigen, nicht planbaren Störungen, welche aus der natürlichen Umwelt sowie aus dem wirtschaftlichen und sozialen Umfeld resultieren können.
Zu den Umweltgefahren zählen auch Pandemien. Im Extremfall werden in Folge derartiger Bedrohungen traditionelle Produkte, Technologien und Dienstleistungen oder gar etablierte Unternehmen komplett vom Markt verschwinden. 
Vor diesem Hintergrund müssen wir unsere Unternehmen agiler und resilienter aufstellen.


PROFILE: Welche Zukunftsszenarien entwerfen Sie dafür aus strategischer Sicht für Schüco?
Aus den oben genannten Megatrends und spontanen Störungen lassen sich Zukunftsszenarien entwickeln. Daraus gilt es, Risiken für das etablierte Geschäft und künftige Chancen zu identifizieren. In unserer Strategie konkretisieren wir unsere Geschäftsziele und unser Geschäftsmodell sowie Konsequenzen und Maßnahmen für die einzelnen Handlungsbereiche des Unternehmens. 
Dabei spielt die digitale Transformation eine bedeutende Rolle. In ihrer Folge wird sich in wenigen Jahren neben der Leistungserstellung und dem Leistungsangebot auch die Kundeninteraktion in der Bau- und Immobilienbranche völlig verändern.


PROFILE: Welche Innovationen – auch aus anderen Branchen – sind derzeit für Sie richtungweisend?
Ausgangspunkt vieler Innovationen ist seit einigen Jahren die Erkenntnis, dass Kunden kein Interesse an Produkten oder Dienstleistungen per se haben, sondern vielmehr die Lösung eines Problems oder die Befriedigung eines Bedarfes erwarten.
So erwiesen sich in vielen Branchen Unternehmen, deren Strategie und Geschäftsmodell konsequent am Kunden ausgerichtet sind, als besonders erfolgreich. Sie entwickelten sich meist zu Anbietern ganzheitlicher, kundenspezifischer Lösungen.
Mittels individuell konfigurierbarer »hybrider Wertschöpfung« durchbrachen sie die traditionelle Branchenlogik. Charakteristisch hierfür ist die Verzahnung materieller und immaterieller Leistungsbestandteile.
Es geht um abgestimmte Produkte, Software und Dienstleistungen sowie häufig um langfristige Garantievereinbarungen bezüglich Output, Qualität oder Kosten entlang des Lebenszyklus.
In der Bau- und Immobilienbranche könnte statt einzelner Leistungen eine kundenindividuelle Komplettlösung angestrebt werden, bestehend aus dem materiellen Produkt »Immobilie« und der Dienstleistung »lebenszyklusorientiertes Facility Management«. 
Die Bearbeitung kompletter Wertschöpfungsketten erfordert breite Kompetenzen, hohe Qualifikationen und sehr flexible Strukturen. Dabei kommt strategischen Netzwerken eine besondere Bedeutung zu. 
In Zeiten der Digitalisierung sowie des Internets der Daten, Dienste und Dinge geht es zunehmend darum, Informationen zu sammeln, zu analysieren sowie mittels Kommunikation, Transaktion und Interaktion in Handlungen umzusetzen. 
Beispielsweise könnte die Erfassung der Betriebsdaten (inkl. Reinigung, Wartung und Instandhaltung) die Grundlage für innovative Wartungsverträge (»Predictive Maintenance«) bilden. In diesem Zusammenhang spielt künftig »künstliche Intelligenz « eine wichtige Rolle.


PROFILE: Welchen Rat geben Sie der kommenden Generation Architekten und Planer mit auf den Weg?
Ich kann Architekten und Ingenieuren nur raten, offen zu sein und zielgerichtet zusammenzuarbeiten.
Als Baumeister unserer Zukunft sollten sie ganzheitlich denken sowie klima- und kulturgerecht planen und bauen. Wichtig ist die Ausgewogenheit von Funktion und Gestaltung. 
Im Mittelpunkt aller Entscheidungen sollte der Mensch stehen!