Port House in Antwerpen

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Port House in Antwerpen

Ein Leuchtturm für die Welt

Das Port House in Antwerpen ist eines der weltweit ersten noch mit Zaha Hadid geplanten Projekte, welches jetzt fertig gestellt wurde. Die vertikale Erweiterung, Sanierung und Transformation einer ehemaligen Feuerwache zum neuen Headquarter der Hafenbehörde von Antwerpen verbindet das Alte mit dem Neuen und ist weithin sichtbares Zeichen für die Zukunft des Seehandels.

Der Bedarf nach einem neuen Bürogebäude für die Hafenbehörde von Antwerpen und der Wunsch, das denkmalgeschützte, im hanseatischen Stil errichtete Gebäude einer ehemaligen Feuerwache an der Hafenanlage zu erhalten, führte zur Auslobung des Wettbewerbs mit der Vorgabe, das alte Gebäude zu erhalten und zu transformieren. Der Entwurf von Zaha Hadid Architects für eine aufgeständerte Erweiterung des Bestandsgebäudes nimmt Bezug auf einen ursprünglich für das Bestandsgebäude vorgesehenen Turm, der als weithin sichtbares Emblem das hanseatische Gebäude hätte ergänzen sollen. Was damals nicht zustande kam, kommt nun zur Realisierung in dem Aufbau, der in seiner signalhaften Wirkung sowohl Referenz für die Stadt Antwerpen als „Stadt der Diamanten“ ist, als auch in seiner dem Rumpf eines Schiffes ähnlichen Form den Seehandel am Hafen von Antwerpen symbolisiert. Das neue Gebäude scheint über dem alten Gebäude zu schweben, die nüchterne, kantige Solidität des Bestandsgebäudes mit den vier gleichrangigen Fassaden kontrastiert dabei mit der Dynamik der gekrümmten Oberfläche des neuen Gebäudes, welches wie ein organisches Objekt das Prinzip einer einzelnen fließenden Fassade repräsentiert.

Eine gemeinsam von Schüco, Architekten und Fassadenbauer entwickelte Sonderkonstruktion bestehend aus dreieckigen Segmenten mit variablen Winkeln in den Kreuzpunkten ermöglicht die Formung scheinbar reibungsloser Kurven mit flachen Glasplatten und bewirkt den graduellen Übergang von flacher Fassade am Südende des Gebäudes zu einer wellenartigen Fassade im Norden. Der Wechsel von transparenten und opaken Fassadenelementen führt zu einer Brechung des Gebäudevolumens, dessen transparent erscheinende Oberfläche sich mit der wechselnden Intensität des Tageslichts verändert. Das neue Port House in Antwerpen ist gleichermaßen beispielhaft für den sensiblen Umgang mit der Geschichte und den Bedürfnissen des Standorts. Ebenso weist es in Form, Nachhaltigkeit, Entwurfs- und Produktionsweise selbstbewusst in die Zukunft: ein funkelnder Leuchtturm, sichtbar für alle Welt.

Das neue Headquarter der Hafenbehörde von Antwerpen entsteht aus dem Zusammenspiel dreier räumlicher Elemente: dem denkmalgeschützten Bestandsgebäude, einer Betonbrücke und dem vertikalen Erweiterungsbau.

Port House

Standort: Antwerpen/BE
Bauherr: Hafenbehörde Antwerpen/BE
Architekten: Zaha Hadid Architects (ZHA), London/GBK
Entwurf: Zaha Hadid, Patrik Schumacher
Projektdirektion: Joris Pauwels
Projektleitung: Jinmi Lee
Bauleitung: Bureau Bouwtechniek, Antwerpen/BE
Studieburo Mouton Bvba, Gent/BE
Energietechnik: Ingenium Nv Acoustic, Brügge/BE
Akustik: Daidalos Peutz, Löwen/BE
Daidalos Peutz, Leuven/BE
Restaurationsberatung: Origin, Brüssel/BE
Fassadenkonstruktion: Groven+, Liège/BE
Flächen: Bestandsgebäude Existing building 6.600 m2
Neubau: 6.200 m2
Wettbewerb: 2008
Fertigstellung: 2016
Schüco Systeme: Fassadensonderkonstruktion Aluminium

  • Schnitt, M 1: 1 200
  • Grundriss Ebene 0, M 1: 1 200
  • Lageplan, M 1: 6000

Eine gemeinsam von Schüco International, Architekten und Fassadenplanern entwickelte Sonderkonstruktion der Fassade gibt dem Neubau seine spezifische Form und Oberfläche.

"Dynamische Erscheinung als Gegensatz zu statischer Würde"

In welcher Wechselbeziehung stehen die drei Raumelemente des neuen Hafenhauses in Antwerpen: das bestehende Gebäude, der neue Anbau und die Betonbrücke?

Beim Blick auf das bestehende Gebäude und die moderne Erweiterung als Einheit betrachten wir das Hafenhaus gerne als zwei Elemente, die bedingungslos zueinander gehören. Das bestehende Gebäude stellt die Grundlage des gesamten Projekts dar, ein gleichberechtigter Bestandteil der Konstellation, die wir nicht vernachlässigen wollten. Trotz des sehr unterschiedlichen Charakters der beiden Gebäude wollten wir dem bestehenden und dem neuen Gebäude die gleichen räumlichen Eigenschaften zubilligen. Zur programmatischen Verbindung der Bauwerkteile haben wir uns für eine Art Sandwich-Konzept entschieden, bei dem sich die allgemeinen Bereiche, wie Auditorium, Restaurant, Foyer und Konferenzräume, in der Mitte des Gesamtgebäudes befinden und damit in die oberen Etagen des bestehenden Gebäudes sowie in die unteren Etagen des neuen Gebäudes gerückt wurden. Die Betonbrücke als drittes Element war ein Vorschlag von uns, der nicht Gegenstand der Wettbewerbsausschreibung war. Um den Gesamtraum aufzulösen und zu verlagern, schlugen wir vor, eine externe Mehrzweckumgebung zu schaffen: eine Aussichtsplattform mit mehreren Nutzungsmöglichkeiten oberhalb der bestehenden Stadtarchitektur mit Zugang zum Restaurant. Natürlich hat man von hier aus einen vielfältigen Blick über den Hafen und die Stadt hinweg. Beim Blick durch Ausschnitte in der Brücke wird der Platz vor dem Gebäude sichtbar. Blickt man nach oben, kann man durch die Fenster ein wenig der Innenbereiche des neuen Gebäudes sehen: Es ist eine wahrlich dreidimensionale, räumliche Umgebung.

In welcher Weise hat sich Ihr Büro technisch und formal an die Neugestaltung des bestehenden Gebäudes aus der Vorkriegszeit heranbegeben?

Zaha war sehr an einer Konstruktion mit mehreren Ebenen interessiert, in die das bestehende Gebäude integriert werden konnte. So entschlossen wir uns, das bestehende, denkmalgeschützte Gebäude so weit wie möglich beizubehalten. Sowohl die externen als auch die internen Fronten, der Innenhof und die Treppenaufgänge waren noch sehr gut erhalten. Aber das meiste der ursprünglichen Innenbereiche war durch die Nutzung als Feuerwache im Laufe der Zeit verändert worden. Bei der Renovierung hielten wir uns eng an die Vorstellungen unserer Denkmalschutzberater: Wir gaben vor, was wir umsetzen konnten und was nicht, und wir standen mit den Beratern und den Denkmalschutzbehörden in ständigem Kontakt. Die Wiederherstellung aller Fassaden gelang mit geringem technischen Aufwand. Das Mauerwerk beispielsweise ist sehr uneinheitlich, und man kann darin noch immer die Geschichte des Gebäudes ablesen, da wir an der Struktur des Mauerwerks keinen allzu großen Schaden anrichten wollten. Die Tore wurden soweit wie möglich im ursprünglichen Zustand belassen. Dort, wo dies nicht möglich war, haben wir Kopien angefertigt. So haben wir beispielsweise die massiven Tore zwischen dem Atrium und dem Lesesaal, der früheren Halle für die Feuerwehrfahrzeuge, mit automatischen Antrieben versehen. Die Technik ist also neu, aber die Tore und die Rahmen blieben, soweit das möglich war, erhalten.

Der neue Anbau scheint über dem bestehenden Gebäude zu schweben. Sind die beiden Gebäudeteile strukturell überhaupt miteinander verbunden?

Soweit es die Gebäudestruktur betrifft, haben wir versucht, das bestehende Gebäude weitgehend unverändert zu belassen. Die Struktur des neuen Teils ist völlig eigenständig. Allerdings haben wir ein neues Element eingefügt, das sich auf die Struktur des bestehenden Gebäudes auswirkt: Das neue Dach des zuvor offenen Innenhofs wird von den Ziegelmauern des bestehenden Gebäudes getragen. Das Gewicht des neuen Gebäudes wird vollständig von zwei Betonsäulen aufgefangen, die eine in der Mitte des Innenhofs, und die andere, geneigt, vor dem Gebäude. Die Betonbrücke verbindet die beiden Säulen an deren oberen Enden, es ist allerdings auch eine unterirdische Verbindung vorhanden. Im Grunde verläuft ein senkrecht stehender Ring aus Beton über und unter dem Südflügel des bestehenden Gebäudes und trägt den neuen Gebäudeteil. Die schwarzen Säulen im Atrium bieten seitliche Stabilität.

Die Fassade des neuen Gebäudes weist eine dynamische Oberfläche auf. Welche konzeptuelle Absicht liegt dem Übergang der Oberfläche von eben zu geriffelt, von transparent zu undurchsichtig zugrunde? Welches Entwurfsverfahren haben Sie angewendet?

Wir wollten, dass der neue Gebäudeteil mit seiner dynamischer Erscheinung einen Gegensatz zur statischen Würde des bestehenden Gebäudes bildet. Um diese Dynamik über den Effekt der Geometrie hinaus weiter zu verstärken, wollten wir es so aussehen lassen, als bewege sich dieser Teil. Durch die Aufteilung der Fassade in Dreiecke, schufen wir den Übergang von der ebenen Fläche zu einer unterbrochenen. Zu Beginn, in der Ausschreibungsphase, war dies eine Art Zufallsmuster. Bei der weiteren Entwicklung arbeiteten wir mit unserem Architekten vor Ort zusammen, dem Fassadenkonstrukteur und Schüco, um ein realistisches Konzept zu erhalten, das sowohl den ästhetischen als auch den wirtschaftlichen Aspekten gerecht wird. Wir haben analysiert, wie viele unterschiedliche Module wir uns erlauben, wie viele Module wir würden verwenden müssen, sodass die Wirkung des Zufallseffekts erhalten bliebe und es im Gebäude keine Wiederholung gäbe.

Im ursprünglichen Entwurf für das bestehende Gebäude war ein Turm vorgesehen, der aber nicht gebaut wurde. Welche Rolle spielte dieser Turm in Ihrem Entwurf?

Als unsere Denkmalschutzberater uns ihren ursprünglichen Entwurf vorlegten, gab es da diesen sehr hohen, verzierten Turm. Wir dachten, diese ursprüngliche Intention würde ein vertikales Element auf dem bestehenden Gebäude rechtfertigen. Die Tatsache, dass das bestehende Gebäude keine Hauptfassade sondern vielmehr vier gleichrangige Fassaden hat – recht außergewöhnlich für eine Gebäude aus dieser Zeit – war ein weiterer Grund für uns, sofort unser Interesse auf einen Gebäudeteil zu richten, der sich über dem bestehenden Gebäude erhebt, anstatt davor oder daneben gesetzt eine der Fassaden zu blockieren.

Joris Pauwels, verantwortlicher Direktor für das Port House bei Zaha Hadid Architects

„Der Wert des Designs als Spektakel"

Das neue Port House ist sehr ikonenhaft. Welche Botschaft steht hinter diesem Gestus?

Wir haben uns für den Entwurf von Zaha Hadid Architects entschieden, weil diesem Entwurf ein Wert als Spektakel innewohnt. Für die Stadt und den Hafen wollten wir ein prägnantes Wahrzeichen, das eine Identität schafft, die Altes mit Neuem verbindet. Seit Jahrhunderten gehört unser Hafen zu den größten der Welt. Als Kommune streben wir eine Ausrichtung auf die Zukunft an, wir wollen innovativ und mutig sein, um unsere starke Position als globaler Player zu wahren. Wir möchten, dass das Gebäude eine Signalfunktion hat – es soll unsere Bereitschaft signalisieren, mit der Welt in Verbindung zu stehen, und es soll unseren offenen und wachen Blick in die Zukunft repräsentieren.

Inwiefern verändert das neue Bürogebäude das Arbeitsumfeld der Mitarbeiter der Hafenbehörde?

Hauptziele beim neuen Port House waren die Einführung neuartiger Arbeitsweisen und die Zusammenführung unserer technischen und administrativen Bereiche an einem Standort. Einige Dienststellen waren in der ehemaligen Feuerwache untergebracht, andere in der Hofstraat und im alten Port House am Entrepotkaai. Durch die Zusammenführung dieser Dienststellen ist die interne Zusammenarbeit wesentlich effizienter geworden. Die 500 Angestellten der Hafenverwaltung, die im Zaha Hadidplein arbeiten, können die so gewonnene Zeit flexibel nutzen. Das heißt, sie tauschen ihren festen gegen einen mobilen Arbeitsplatz ein. Außerdem können sie je nach Arbeitsaufgabe den Schreibtisch wechseln – zum Telefonieren, für konzentrierte Einzelarbeit oder Meetings. Für unsere Angestellten wollten wir nachhaltige und zukunftssichere Arbeitsplätze schaffen, die dem Ethos und den Werten des Hafens sowohl vor Ort als auch international gerecht werden.

Wie wurde das neue Port House von der Öffentlichkeit angenommen?

Zunächst sah der Entwurf die ausschließliche Nutzung als Bürogebäude der Hafenbehörde Antwerpen vor, jedoch zeigte sich während der Bauphase ein wachsendes Interesse seitens der Öffentlichkeit. Die ikonenhafte Architektur von Zaha Hadid Architects war vor dem Hintergrund der Landschaft und in Kombination mit dem Rundblick auf die Stadt für Besucher sehr attraktiv. Deshalb beschlossen wir, in unserem Gebäude öffentliche Führungen anzubieten. Besucher, die am Gebäude interessiert sind und den Rundblick auf Antwerpen und den Hafen genießen möchten, können an Führungen teilnehmen. An einem Abend unter der Woche und an den Wochenenden wird die Architektur des neuen Gebäudes sowie die Geschichte und die Zukunft des Hafens von erfahrenen Guides erklärt (http://www.visitantwerpen.be/detail/einblick-in-das-hafenhaus-gruppe-de). Möglich sind Führungen in Niederländisch, Französisch, Englisch und Deutsch. Zudem ist das Port House Begegnungsort für die zahlreichen internationalen Partner des Hafens von Antwerpen.

Der Bau vom Port House wurde für seine Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Wie nachhaltig ist das Gebäude in seiner Nutzung?

Das neue Port House ist ein Musterbeispiel für Nachhaltigkeit. Für seinen Bau wurden Materialien aus nachhaltigen Quellen verwendet. Beheizt und gekühlt wird das gesamte Gebäude über ein unterirdisches Wärmespeichersystem, das jährlich 270 Tonnen an CO2-Emissionen einspart. Außerdem nutzt das Personal der Hafenverwaltung nachhaltige Transportmittel zwischen Wohnung und Arbeitsstelle. Auf dem Parkplatz sind 30 Ladestationen vorgesehen, 20 für Elektrofahrräder und 10 für Elektroautos; vor der Tür ist eine City Bike-Station und mit dem Pendelbus haben die Angestellten kostenlos zwei direkte Verbindungen.

Das Port House ist eines der Projekte, an dessen Entwurf Zaha Hadid vor ihrem Tod beteiligt war. Wie hat Ihre Organisation an der Ehrung von Zaha Hadid mitgewirkt?

Der öffentliche Platz neben dem Port House wurde nach Zaha Hadid benannt, die Anschrift des Port House lautet jetzt „Zaha Hadiplein 1“. Seit der Eröffnung bis zum Ende dieses Jahres läuft eine Ausstellung im Lichthof des neuen Gebäudes, die sich ihrem Leben und ihrer Arbeit als erste Frau widmet, die den weltweit renommierten Pritzker-Architekturpreis erhielt. Gezeigt werden in der Ausstellung Modelle der Bauwerke von Zaha Hadid, die überall in der Welt zu finden sind, aber auch andere Dinge wie Vasen und Schuhe. Wissenswertes über das Bauprojekt Port House kann man außerdem erfahren. Darüber hinaus werden wir in Kürze das Buch „The Antwerp Port House” (Pandora Publishers, 2016) veröffentlichen. Darin dokumentieren wir die Geschichte des Hafens und der alten Feuerwache sowie den Bauprozess des neuen Gebäudes; außerdem würdigen wir das innovative und ikonische Design als Teil des Vermächtnisses von Zaha Hadid.

Annik Dirkx, Pressesprecherin der Hafenbehörde von Antwerpen, erläutert die identitätsstiftende Bedeutung des neuen Gebäudes für den Standort und den Umgang mit einer gebauten Ikone.

„Entwurf und Produktion mussten eine Einheit sein“

In Zusammenarbeit mit Schüco haben Zaha Hadid Architects und die Fassadenbau-Spezialisten Groven+ ein einzigartiges Fassadensystem für das Verwaltungsgebäude der Hafenbehörde in Antwerpen geschaffen. Etienne Clinquart, Direktor der belgischen Fassadenbauer, spricht über die besonderen Herausforderungen, die mit der Entwicklung und Konstruktion des neuen Fassadensystems verbunden waren.

Wie würden Sie die Zusammenarbeit zwischen Schüco, Groven+ und ZHA bei der Gestaltung des maßgefertigten Fassadensystems für das Port House beschreiben?

Durch die Kombination unserer praktischen Erfahrung als Fassadenbauer mit dem systemorientierten Ansatz von Schüco konnten wir den spezifischen Entwurf von Zaha Hadid Architects mit einer maßgefertigten Fassade realisieren. Dabei kam hochmoderne Technologie zum Einsatz, und wir haben während der Entwurfs-, Produktions- und Bauphasen sehr eng in dieser Dreieckskonstellation mit Bauunternehmer, Hersteller und Designer der Fassade kooperiert. Die Designanforderungen waren völlig neuartig, also mussten wir gemeinsam eine innovative, nachhaltige Lösung finden. Jede Partei hat dazu ihre Fachkenntnisse und Erfahrungen beigetragen.

Unser Auftrag von Zaha Hadid Architects umfasste eine Leistungsgarantie für sowohl die technischen als auch die ästhetischen Aspekte der Fassade. In Bezug auf das Aussehen haben wir garantiert, dass der fertige Entwurf den architektonischen Zeichnungen absolut treu bleiben würde. Alle unsere Zeichnungen, erstellt in unserem 3D-CAD-System, wurden zur Genehmigung an Zaha Hadid Architects weitergeleitet, um die Einhaltung des architektonischen Konzepts zu gewährleisten. Die Zusammenarbeit während der Planungsphase lief wie folgt: Zaha Hadid Architects lieferten uns die Knotenpunkte der Außenfassade in 3D, in den Winkeln zwischen den dreieckigen Glaselementen; dies waren die parametrischen Bezugspunkte für die Außenhaut. Alle Profile wurden in drei Dimensionen definiert – nicht in Bezug auf die technischen Anforderungen, sondern vielmehr in architektonischer Hinsicht. Dies bedeutet, dass wir eine Fassade in einem sehr eng definierten Rahmen entwickeln mussten, und das ist uns gelungen.

Könnten Sie kurz auf die Schnittstellen zwischen Entwurf, Planung und Produktion eingehen?

Aufgrund der Komplexität der Fassade war ein Programm wie unser 3D-CAD-System unerlässlich; Entwurf und Produktion mussten eine Einheit sein. Der 3D-Entwurf bildete deshalb einen großen Teil der Arbeit und wurde zur Grundlage der Bauplanung. Diese Arbeit nahm über zwei Jahre in Anspruch. Das neue Gebäude schwebt in einer spektakulären Position über dem vorhandenen Bau. Konstruktion und Installation waren also eine Herausforderung. Deshalb haben wir so viele Komponenten wie möglich in unseren Werkstätten gefertigt und vormontiert – mehr als 450 Rahmen mit je mindestens 3 dreieckigen Glaselementen. Dazu kam, dass kein Element dem anderen glich, also war eine hochkomplizierte Logistik und Organisation erforderlich.

Wie haben Sie den Zusammenbau der Fassadenelemente geplant und umgesetzt?

Nach Abschluss der technischen Planung begannen wir mit der Produktion. Da der Einbau schneller gehen würde als die Herstellung, hatten wir uns darauf vorbereitet, mindestens 50 % der Fassadeneinheiten vor Beginn der Installationsarbeiten fertig zu stellen. Die erforderlichen Materialien wurden mit unserem 3D-CAD-System definiert, und dann haben wir die entsprechenden Informationen mit STEP-Dateien an die CNC-Maschinen übertragen. Der Zusammenbau in der Werkstatt erfolgte auf rein theoretischer Basis anhand des 3D-Modells. Erst nach der Installation vor Ort konnten wir uns vergewissern, dass die Konstruktion stimmte.

Haben Sie das neue Fassadensystem vor der Produktion und Montage getestet?

Schüco hat akustische Tests durchgeführt und auch die Luft- und Wasserundurchlässigkeit geprüft. Angesichts der speziellen Lage vom Port House mitten im Hafen, direkt an der Schelde, waren die Anforderungen in Bezug auf Luft- und Wasserundurchlässigkeit sehr hoch. Dazu kamen Verformungsmessungen, um das Verhalten der Stahlkonstruktion zu simulieren. All diese Tests fanden vor der Produktion statt, so dass wir die technischen Vorgaben noch entsprechend anpassen konnten. In der Tat wurden die Testergebnisse nicht nur bei der technischen Planung berücksichtigt, sondern auch in den Entwurf integriert.

Welche Rolle spielte BIM in dem gesamten Prozess?

Dieses Projekt brachte erhebliche Herausforderungen mit sich. Wir mussten ein komplettes Fassadensystem entwickeln, das die architektonischen und technischen Anforderungen erfüllt, und ein umfassendes logistisches System für die Produktion und Installation ausarbeiten. Eine weitere große Herausforderung war die Kombination mit der Stahlkonstruktion. Wir mussten Stahlpläne und Fassadenpläne in unterschiedlichen Installationen miteinander vereinen und dabei die unterschiedlichen Verformungen und gewichtsbezogenen Bewegungen berücksichtigen. Die einzige Lösung, um mit einem derart komplexen Entwurf richtig arbeiten zu können, war die Anfertigung einer kompletten, BIM-generierten Fassade, die sämtliche Produktions- und Konstruktionsparameter definiert. Alles wurde auf Grundlage dieses Modells realisiert.

Etienne Clinquart, Direktor bei Groven+

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