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Kupferbergwerkzentrale in Calama/CL

Etwa ein Drittel der weltweit geförderten Kupfererze stammen aus Chile. Rund 600 km südlich von Arica liegt auf ca. 2200 Metern über dem Meeresspiegel inmitten der Atacamawüste auch das größte Kupferbergwerk der Welt: die Mine Chuquicamata. Ganz in ihrer Nähe entstand nun in den vergangenen drei Jahren ein neues Bergwerk namens Ministro Hales. Calama heißt der benachbarte Ort, dessen rund 150.000 Einwohner direkt und indirekt vom Bergbau leben. Mit einem Jahresniederschlag von maximal 75 mm ist die Gegend eine der trockensten der Erde; Hitze, nächtliche Kälte und extremer Wind erschweren die dortigen Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Das Erzvorkommen von Ministro Hales wird auf rund 1300 Mio. Tonnen geschätzt, ca. 289 Mio. entfallen hiervon auf den Tagebau, mit dem der Betreiber Codelco 2014 begann und die ihm eine Förderung von etwa 183.000 Tonnen Feinkupfer und 300 Tonnen Silber pro Jahr verspricht. Die 1976 gegründete „Kooperation zur Förderung des Kupfers“ Codelco ist in Chile die mittlerweile wohl einflussreichste staatliche Organisation, was angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung des Kupfers für das Land nicht sonderlich verwundert.

Das 126 Hektar große Ministro Hales besteht aus den für ein Bergwerk charakteristischen infrastrukturellen Einrichtungen – darunter Lager, Werkstätten, Wasch- und Versorgungsanlagen. Herz dieses Organismus ist jedoch der 2014 fertiggestellte, 4.800 m2 große Verwaltungs- und Sozialkomplex, für das COXARQ Arquitectos aus Santiago de Chile verantwortlich zeichnen. Die Struktur ist zweitgeteilt: Sie besteht aus einem von der Größe her dominierenden Bürobau, dem Barrio Cívico, und dem kleineren Centro Integrado de Operaciones (CIO), das die Architekten als“Hirn“ der Anlage bezeichnen.

Der Büroneubau ist entlang einer Geraden organisiert; 8 eingeschossige Kuben reihen sich entlang einer 250 Meter langen, gut sichtbaren Haupterschließungsachse. Vier Baukörper mit dazwischenliegenden Innenhöfen bilden jeweils eine bauliche Einheit. Auf Höhe der Achsenmitte liegen Haupteingang und Vorplatz, von dem auch das Kopfgebäude des Ensembles, das CIO, erschlossen wird. Barrio Civico und CIO sind in der für einen Industriebau typischen Stahlrahmenbauweise konstruiert, die Baukörper aufgeständert. Für die in der Mine arbeitenden Menschen bietet das neue Zentrum täglichen Schutz vor Hitze, Kälte, Wind und Sand – und darüber hinaus den Komfort eines offen gestalteten und modernen Bürogebäudes.

Bei den Fassaden fiel die Wahl der Materialien auf Cortenstahl und Glas. Diese tragen den extremen klimatischen Verhältnissen, aber auch formalen Aspekten, Rechnung. Lichtführung, Farbe und Geometrie des Komplexes sind so gewählt, dass sie den Charakter der unwirtlichen, sterilen, aber auch extrem schönen Wüstenlandschaft unterstreichen und vielfältige Assoziationen wecken. In den gläsernen Fronten der Kuben konzentrieren sich die Widersprüchlichkeiten der Bauaufgabe Ministro Hales: Das Projekt lebt vom Gegensatz natürlich-künstlich; der kupferne Farbton der Cortenstahl-Fassaden kontrastiert mit dem alles durchdringenden Wüstengrau.

Ende 2012 begann die Fassadenbaufirma Anodite unter der Leitung des Architekten Daniel Anselmi mit den Planungen zu Ministro Hales. Wie bereits die Architekten, setzten auch sie sich intensiv mit den Wind- und Lichtverhältnissen, aber auch den klimatischen und topografischen Besonderheiten des Standorts auseinander. Aufgrund der starken Winde (bis zu 95 km/h) gibt es in und um Calama häufig gefährliche Sandstürme. Daher kam nur eine extrem dichte Gebäudehülle in Frage. Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Fassadenplanung spielte die äußere Wärmeeinstrahlung. Die mittlere Außentemperatur liegt in der Gegens bei 12 Grad Celsius, mit hohen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht sowie zwischen den Jahreszeiten (Sommer: min. 5, max. 25-30 Grad Celsius, Winter: min. -12, max. 18-23 Grad Celsius). Da die Planer auf kein zertifiziertes Standardsystem zurückgreifen konnten, entwickelten sie eine individuelle Fassadenlösung, welche auf dem Schüco System AOC 50 basiert. Die Ansichtsprofile dieser dunkel eloxierten Aluminiumelemente sind 6,5 mm breit, die Kanten abgeschrägt. „So gut wie unsichtbar“, so Anselmi, sollte die Konstruktion nach Wunsch der Planer sein. In der Vergangenheit hatten Anodite das Schüco System AOC 60 in einem Krankenhaus auf den niederschlagsreichen Osterinseln verbaut. Da der Einfluss von Regen und Sand auf die Fassade grundsätzlich sehr ähnlich ist, konnten sie bei Ministro Hales auf ihre Erfahrungen aus dem Projekt zurückgreifen. An großen Mock-ups simulierten sie die Umgebungsbedingungen und modifizierten die Details entsprechend den neuen Anforderungen. Auch AOC 50 stellte sich dabei als ein extrem flexibles und anpassungsfähiges System heraus. In der 1578 km entfernten Hauptstadt Santiago wurden die Profile hergestellt und zu Rahmen vormontiert. Der Transport nach Calama erfolgte über den Landweg. Kleine Montageteams installierten die Pfosten-Riegel-Einheiten schnell und ohne größeren technischen Aufwand auf der Baustelle.

Für Eingänge und Innentüren bzw. Trennwände kam das System ADS 50.NI zum Einsatz. Trotz schmaler Ansichtsbreiten und einer geringen Profiltiefe von 50 mm ließen sich Öffnungshöhen von bis zu 2500 mm realisieren. Wo nötig wurden Lüftungsflügel eingebaut. Daniel Anselmi: „Das Erscheinungsbild des Gebäudes ist das Resultat vieler verschiedener Überlegungen: Bei der Wahl der Fassadenkonstruktion und der inneren Glasfassaden war natürlich die besondere geografische Lage des Gebäudes ausschlaggebend. Nicht weniger wichtig war aber auch das architektonische Konzept, das wir im Sinne der Entwerfer erfüllen wollten.“ Das noch junge Kupferbergwerk Ministro Hales hat einen Neubau erhalten, der diese Prämissen erfüllt. Das Projekt zeigt, dass auch unter widrigen Standortbedingungen ein architektonisch anspruchsvolles Gebäude entstehen kann. Für Ministro Hales erhielt Anodite 2014 den Lieferanten Award des Generalunternehmers INARCO für die Sparten Qualität und Sicherheit.