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Universitätscampus: Der Moderne Neu Belebt, Lüttich/BE

Im belgischen Lüttich soll der 2006 geschlossene Universitätscampus Val-Benoît eine neue Bestimmung als durchmischtes innerstädtisches Quartier erhalten. In einem ersten Schritt wurde das ehemalige Institut für Bauwesen saniert und Ende September als flexibel vermietbares Unternehmenszentrum neu eröffnet.

Objekt: Institut du Génie Civil (Institut für Bauwesen)
Bauherr: SPI
Masterplan Campus Val-Benoît: Baumans-Deffet
Ursprungsbau: Joseph Moutschen, 1937
Umnutzung: Momentary association Baumans-Deffet, Dirix/BE
Architekten: Baumans-Deffet
Tragwerksplanung: BEL
Nachhaltigkeit: Matriciel
Landschaftsarchitekt: Du Paysage
Generalunternehmer: Galère s.a., Groven+Portal, Gaspard, Vorsselmans
Bauphase: 2013 – 2016
Gesamtfläche Institut für Bauwesen: 12.000 m2
Schüco Systeme: FW 50+.SI, AWS 75 BS.SI+, AWS 75 WF.SI+,
Beschläge AvanTec SimplySmart und
Sonnenschutzsystem CTB

Bis zu seiner Schließung vor rund zehn Jahren fungierte der seit 1930 im Stil des Funktionalismus angelegte Campus Val-Benoît rund 70 Jahre lang als wichtiger Standort der Universität Lüttich. Neben den seinerzeit von Albert Puters und Joseph Moutschen geplanten Instituten für Metallurgie und Bauingenieurwesen sowie einer universitätseigenen Energiezentrale entstanden bis in die 1960er-Jahre hinein zusätzliche Gebäude für die Fachbereiche Mechanik und Mathematik. Nach der Schließung des Standorts und dem Umzug der Institute auf den weiter südlich gelegenen Universitätscampus Sart-Tilman soll das zehn Hektar große, südwestlich der Innenstadt am Ufer der Maas und in unmittelbarer Nähe zum neuen Calatrava-Bahnhof Guillemins gelegene Areal in den kommenden Jahren zu einem durchmischten innerstädtischen Quartier umgewandelt werden. Neben 33.000 Quadratmeter Nutzfläche für Büros, Bildung und Kultur sind dabei auch 30.000 Quadratmeter Wohnfläche für Studenten vorgesehen.

Im Zuge des Umbaus wurden die massiven Innenwände entfernt und durch Leichtbauwände ersetzt.


Darüber hinaus sollen Nachbarschaftsläden, Kinderkrippen, Restaurants, Versammlungsräume, Lagerbereiche sowie Grün- und Freizeitflächen entstehen. Aufbauend auf dem 2012 vorgestellten Masterplan von Baumans-Deffet hat in einem ersten Schritt zunächst das überwiegend viergeschossig ausgebildete Institut für Bauingenieurwesen eine neue Bestimmung erhalten. Das 1937 in Stahlbetonskelett-Bauweise errichtete, in weiten Teilen mit einer Vorhangfassade aus Stahl und Glas umhüllte Gebäude integriert nach seiner behutsamen Sanierung und Anpassung flexibel vermietbare, als Labore, Montagewerkstätten oder Co-Working-Spaces nutzbare Einheiten mit einer Gesamtfläche von 12.000 Quadratmetern. Um auch in den nach innen gelegenen Büros ausreichend Tageslicht zu erhalten und gleichzeitig eine optimierte Erschließung des Gebäudes zu ermöglichen, wurde die vorhandene Innenhofbebauung abgebrochen und durch einen begrünten Innenhof mit Fußgängerbrücke ersetzt. Besondere Lösungen waren im Bereich der Fassade erforderlich. Um die ursprüngliche Optik des Gebäudes weitgehend zu erhalten und gleichzeitig eine deutlich verbesserte Wärmedämmung im Bereich der Glasfassade zu erreichen, kamen individuell angepasste Fassaden- und Fenstersysteme von Schüco zum Einsatz. Ganz bewusst wurde dabei entschieden, die ursprünglich weiter innen zwischen den Stahlbetonstützen liegenden Fassadenelemente weiter nach außen zu platzieren.

Die offene Struktur des Gebäudes ermöglicht eine maximale Flexibilität für unterschiedlichste Nutzungen.


Auf diese Weise wurden nicht nur die vorhandenen Wärmebrücken im Bereich der Stahlbetonstützen beseitigt, sondern es entstand gleichzeitig auch zusätzlicher Raum zur Integration der neuen Jalousien. Nach der Fertigstellung des Instituts für Bauingenieurwesen soll als weiterer Baustein auf dem Areal ab 2017 das Institut für Metallurgie zum Studentenwohnheim umgenutzt werden. Im ehemaligen Heizkraftwerk sind kulturelle Funktionen geplant, ins ehemalige Institut für Mechanik soll ein Ausbildungszentrum einziehen. Komplettiert und verdichtet wird der Standort durch zusätzliche Studentenwohnungen. Im Zusammenspiel soll so bis zum Jahr 2020 ein vielfältig nutzbares Areal in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum entstehen.


Text: Robert Uhde
Fotos: SPI, Maud Faivre

Die neu integrierten Leichtbauwände machen unterschiedliche Grundrisse möglich.