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Perfekte Symbiose? – über die Zusammenarbeit von Roboter und Mensch

Roboter werden immer menschenähnlicher und können bald schon unsere neuen, helfenden Mitbewohner sein. Prof. Tamim Asfour ist Leiter des Lehrstuhls für Hochperformante Humanoide Technologien (H²T) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT)und »Vater« des humanoiden Roboters ARMAR. Für das Interview besuchte unsere Autorin den sympathischen Forscher am Tag der Offenen Tür des KIT. Von seiner Begeisterung für das Thema ließ sie sich sofort anstecken: Einen eigenen Roboter zu besitzen, der putzt und aufräumt, das wäre wirklich revolutionär …

Katja Pfeiffer im Interview mit Prof. Tamim Asfour, Institut für Anthropomatik und Robotik, KIT

PROFILE: Herr Asfour, wie alt ist jetzt ihr »Kind«, der Roboter ARMAR?
Tamim Asfour: Ich habe 1998/99 im Rahmen meiner Doktorarbeit mit der Entwicklung von ARMAR I und ARMAR II begonnen. ARMAR III, den Sie hier in Aktion sehen, haben wir 2006 das erste Mal präsentiert. Und ARMAR IV wird gerade fertiggestellt.
PROFILE: Beschreiben Sie doch bitte die Zusammenarbeit mit ihm!
Tamim Asfour: Ja, das ist natürlich eine besondere Art von Beziehung, die man im Laufe der Jahre zu dieser Forschung bzw. den Systemen entwickelt. Klar muss ich von der Forschung fasziniert sein und eine starke Bindung zum Thema haben, ansonsten bliebe ich wahrscheinlich nicht so lange dabei! Ich finde die Robotikforschung extrem spannend, weil wir mit humanoiden Robotern Systeme entwickeln, die wie der Mensch vielseitig sind, d. h. Roboter, die in der Lage sind, unterschiedliche Aufgaben aus zuführen: wischen, aufräumen, schneiden, Türen aufmachen, Werkzeuge bedienen usw. Sie sind eben nicht spezialisiert auf eine einzige Aufgabe wie Industrieroboter. Viele fragen sich natürlich, warum ein Roboter auch wie ein Mensch aussehen muss. Die Antwort ist, weil wir bis jetzt keine Morphologie kennen, die besser oder gleich gut wie die menschliche ist, wenn es darum geht, Aufgaben in menschzentrierten Umgebungen auszuführen.
PROFILE: Sie bringen ARMAR also menschliche Züge bei.
Tamim Asfour: Das kann man so sagen, ja. Wobei ich natürlich ein bisschen vorsichtig mit der Formulierung sein möchte, weil wir da noch ganz am Anfang stehen. Wir sind noch nicht so weit, dass man sagen kann, dass diese Roboter z.B. wie Menschen denken können. Natürlich forschen wir daran, aber das steckt noch in den Kinderschuhen.
PROFILE: Und was ist, wenn Ihr Roboter erwachsen ist?
Tamim Asfour: Dann liest er uns die Wünsche von den Lippen ab! Und versteht, was er machen muss, um eine neue bestimmte Aufgabe zu erlernen. Der erwachsene ARMAR wird in der Lage sein, wie wir Menschen aus einem Satz von »angeborenen« Fähigkeiten alles Mögliche zu machen. Basierend darauf und basierend auf der Interaktion mit Mensch und Umgebung entwickeln sich diese Fähigkeiten weiter. Es wird neues Wissen generiert, um mit neuen Situationen umzugehen. Es ist die intuitive Kommunikation, dieFähigkeit, aus Beobachtung und positiver wie negativer Erfahrung zu lernen. Negative Erfahrungen beschleunigen das Lernen wesentlich. Und je besser und einprägsamer die Beispiele, umso effizienter und schneller ist das Lernen.
PROFILE: Mit welchen Disziplinen arbeiten Sie zusammen?
Tamim Asfour: Unser Team ist sehr interdisziplinär und international aufgestellt, wir kooperieren mit anderen Universitäten in Deutschland und im Ausland. Wir sind Informatiker, Maschinenbauer, Elektrotechniker, arbeiten zusammen mit Kollegen aus den Kognitions- und Neurowissenschaften, der Biologie, der Sportwissenschaften und der Materialforschung. Auf unserem Gebiet kann man eigentlich nur vorwärts kommen, wenn man fachübergreifend forscht. Auch Design spielt da eine große Rolle. Wie muss ein technisches System gestaltet sein, damit es der Mensch auch akzeptiert? Mein Traum ist, in ein paar Jahren ins Möbelhaus gehen zu können und mit der Küche gleich den Roboter dazu zu bestellen, der
dann unliebsame Haushaltsaufgaben erfüllt. Und hier sind dann die Architekten gefragt. Wohnungen müssen ja heute schon teilweise barrierefrei gestaltet sein. Auch Roboter auf Rädern brauchen eine solche Umgebung.
PROFILE: Wie könnte unser Alltag in der Zukunt aussehen?
Tamim Asfour: Das Ziel ist, einen Roboter wie ARMAR in der Wohnung zu haben, der fahren, laufen, den Tisch, das Kinderzimmer aufräumen, etwas aus dem Kühlschrank holen, bügeln und vieles mehr machen kann. Aber ich weiß nicht, ob es so kommen wird. Diese Technologie kann ja auch anders eingesetzt werden. Denn die Systeme, die wir hier erforschen und entwickeln, sind letztendlich nur Technologieträger. Zwar ist unser Ziel, komplette Robotersysteme wie ARMAR zu entwickeln, aber ich kann mir auch vorstellen, dass Teile davon bald in der flexiblen Fertigung und Produktion und in Zukunft z.B. in der Haustechnik oder in Haushaltsgeräten Verwendung finden. Warum soll der Tisch denn immer an der gleichen Stelle bleiben? Das kann tatsächlich ein bewegter Teil sein, der weiß, wo gerade Platz ist, sodass er sich bewegt, sich selber umgestaltet oder einfach in der Wand verschwindet! Was ich damit sagen will, ist, dass wir Technologien entwickeln, die auch in die Gestaltung von Häusern der Zukunft einfließen können. Haushaltsgeräte könnten. mit entsprechenden Sensoren ausgestattet sein, sodass sie vorausschauend agieren. Den Anwendungspotenzialen dieser robotischen Technologien sind keine Grenzen gesetzt.
PROFILE: Also ein Roboter als Assistent, auf den man sich verlassen kann.
Tamim Asfour: Sicher! Wobei natürlich die Sicherheitsfrage extrem wichtig ist. Der Roboter arbeitet ja sehr naheam Menschen. Da kann man sich keinen Fehler erlauben.
PROFILE: Was ist für Sie eine gute Zusammenarbeit?
Tamim Asfour: Wichtig sind ein gemeinsames Verständnis von den Problemen und eine gemeinsame Sprache. Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen haben oft das gleiche Problem, reden aber aneinander vorbei. Zu verstehen, dass genau das, worüber der andere spricht, auch mein Problem ist und umgekehrt... hier einen gemeinsamen Nenner zu finden, ist kein einfacher Prozess und vielleicht die größte Herausforderung, der wir uns tagtäglich stellen müssen.

Humanoide Roboter-Systeme