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Prozesse und Tools konsequent integrieren - Plan.One architecture

Patric de Hair – ausgebildet in den Disziplinen Architektur, Produktdesign und Bauingenieurwesen – ist Gründungspartner der Plan.One ccs GmbH sowie Leiter des Digital Innovation Lab bei Schüco. Profile traf ihn in Berlin und sprach mit ihm über die neue Plattform plan.one.

Interview mit Patrick de Hair, Gründungspartner der Plan.One ccs GmbH

PROFILE: Plan.One bildet eine Schnittstelle zwischen der digitalen Planungsebene der Architektur und den Herstellern von Bauprodukten. Was genau sind die Vorteile?

Patric de Hair: Plan.One architecture ist eine Produktsuchmaschine. Wir bieten Softwareerweiterungen für alle gängigenBIM-Planungssysteme an. In der Planungsphase weiß der Architekt ja noch nicht, mit welchem Hersteller er die einzelnen Bauteile seines Gebäudes realisieren kann. Er entwirft zunächst die Elemente und definiert bestimmte Anforderungen, bei einer Tür beispielsweise die Feuerschutzklasse oder die Einbruchhemmung. Mit dem Plan.One-Button hat man die Möglichkeit, unsere herstellerneutrale Datenbank nach Produkten zu durchsuchen, die all diese technischen Eigensch aften besitzen. Niemand muss mehr Produktkataloge wälzen oder im Internet recherchieren: Per Mausklick erhält man eine nach Relevanz beziehungsweise Passgenauigkeit sortierte Liste von Produktvorschlägen. Diese Suche wird auf Basis bereits erfolgter Bauprojekte, dem Nutzerverhalten anderer Planer und somit einer Art Nutzerbewertung optimiert.

PROFILE: Was bietet das System noch?

Patric de Hair: Neben den technischen Produkteigen schaften sind auch alle Downloads verfügbar, die ein Hersteller bereitstellt, Ausschreibungstexte zum Beispiel. Zusätzlich zeigen wir Referenzen, die dem geplanten Gebäude ähnlich sind. Und es gibt eine Kontaktmöglichkeit zum Hersteller, bei der alle Informationen bereits vorausgefüllt sind. Schließlich besteht die Möglichkeit, die spezifischen Produktdaten direkt in das digitale Gebäudemodell zu integrieren.

PROFILE: Es gibt aber sicher auch Details, die sich nicht über euer Tool abbilden lassen?

Patric de Hair: Ja, nicht alles ist Katalogware. Wenn etwas geometrisch sehr komplex ist oder außergewöhnliche Dimensionen besitzt, wird man nichts finden. Dafür wird aber nach Herstellern gesucht, die im Bereich Sonderkonstruktionen unterwegs sind. Plan.One wird hier einen Kontakt anbieten oder ein System vorschlagen, das den gewählten Anforderungen nahekommt und auf dem aufbauend eine Sonderlösung konstruiert werden könnte. Wir denken aber auch weiter. Beispielsweise könnten für solche Bereiche Fachplaner vorgeschlagen werden, die die entsprechende Leistung planerisch umsetzen.

PROFILE: Also eine Vernetzung der Planer untereinander?

Patric de Hair: Genau. Wer ist für das jeweilige Vorhaben der richtige Fassadenplaner? Wer ist der geeignete Statiker? Das ist aber ein Bereich, den wir zwar technisch vorgesehen haben, der aber noch mit Leben gefüllt werden muss.

Interview mit Guido Höfert Architekt, HHS Architekten

PROFILE: Welche Themenfelder haben Sie am Messestand von Schüco interessiert?

Guido Höfert: Ich habe die Zeit genutzt, mich intensiver mit der neuen Plattform Plan.One zu beschäftigen. Das Thema BIM und die digitale Planungskette werden für unser Büro immer wichtiger. Wir möchten uns hier klar positionieren. Dafür sind die Mes se und der Schüco Stand eine gute Inspiration.

PROFILE: Warum sind die Themen BIM und digitale Planung aktuell so wichtig für Sie?

Guido Höfert: Bauteile sollten sich so konfigurieren lassen, dass man sicher ist: Es gibt sie am Markt. Das ist für mich wesentlich. Denn häufig gerät man als Architekt in die Falle, Funktionen zu planen, die verfügbare Bauprodukte nicht hergeben. Oder steckt in dem Dilemma, dass bestimmte Zulassungen nicht vorliegen. Dann ist es sehr praktisch, das zum Beispiel mit einem Konfigurator von vorn herein auszuschließen. Darüber hinaus ist die Kombination von speziellen Qualitäten für uns ex trem wichtig. Beispielsweise Klima schutz und Brandschutz in einem Produkt zu kombinieren. Und über digitale Systeme wie Plan.One wird das in Zukunft vielleicht leichter möglich.

PROFILE: Wie weit bestimmt BIM bereits die Arbeit im Büro von HHS?

Guido Höfert: Wir müssen uns damit auseinandersetzen und bereiten uns auf den digitalen Wandel vor. Das ist Teil unserer Bürostrategie. Dazu gehört, die Mitarbeiter zu schulen, zu sensibilisieren und das ein oder andere Projekt bereits BIM-orientiert aufzusetzen. Wir stehen im ständigen Austausch mit verschiedenen Fachplanern, die ebenfalls mit der Methode BIM arbeiten werden. Man muss einfach anfangen, starten ins Thema.

PROFILE: Wo sehen Sie die Potenziale für die digitale Planung, und wo ist eine analoge Planung noch wichtig?

Guido Höfert: Ich denke, wir stehen noch am Anfang, aber es ist für mich die richtige Entwicklung, dass wir nun ein digitales Gebäude- und Datenmodell haben. Der nächste Schritt, vom Modell in die Fertigungsprozesse, wäre eine tolle Sache. Diese Vision existiert, und es gibt erste realisierte Projekte in ganz verschiedenen Industriezweigen. Sie jetzt ins Handwerk zu übersetzen, ist allerdings viel schwieriger. Und die digitale Schnittstelle dann auf der Baustelle zu bedienen – das ist ganz sicher eine Herausforderung.

Interview mit Cornelius Buhl und Dafni Filippa

PROFILE: Unsere Lebenswelt wird zunehmend digitalisiert. Wie sehen Sie als Studenten diese Entwicklung?

Cornelius Buhl: An sich finde ich die Digitalisierung positiv. Sie macht sich auch im Studium bemerkbar. Wir zeichnen nur noch am Computer. Zum einen ist das gut, weil wir viel schneller verschiedene Sachen ausprobieren und Änderungen vornehmen können. Zum anderen lernt man das Zeichnen selbst nicht mehr wirklich. Wir haben nur in den ersten zwei Semestern von Hand gezeichnet. Aber mit der Digitalisierung öffnen sich ja ganz andere Welten.

PROFILE: Arbeiten Sie im Studium auch mit BIM-Objekten?

Dafni Filippa: Ja. Jetzt im dritten Semester müssen wir stärker in die Details gehen und damit auch mehr mit CAD arbeiten. In den vergangenen 20 Jahren haben sich die Technologien so sehr verbessert und weiterentwickelt, dass wir im Gegensatz zur Generation un serer Eltern ganz andere und viel mehr Möglichkeiten haben. Trotzdem muss ein Architekt von Hand zeichnen können! Skizzieren ist sehr wichtig. Das haben wir auch gelernt. Ich glaube, dass man die Bodenhaftung verliert, wenn man die traditionellen Werkzeuge nicht beherrscht.

Interview mit Joachim Rind Architekt, Naujack.Rind.Hof

PROFILE: Nutzen Sie BIM?

Joachim Rind: Wir fangen bei jedem Projekt sofort an, mit der Haustechnik, der Tragwerksplanung und der Bauphysik eine Planergemeinschaft zu bilden. Dann vereinen wir diese Disziplinen mit unseren Ideen auf der Computerebene. Eine solche Plattform nutzen wir schon lange. Neu hinzu kommt die Dreidimensionalität. Seit Jahren planen wir Gebäude in 3-D. Aber nicht alle Fachingenieure machen das. Deswegen kommt es immer wieder zu Komplikationen.

PROFILE: Diskutiert wird, ob BIM als Sonderleistung gelten sollte oder nicht. Wie sehen Sie das?

Joachim Rind: Nun, theoretisch könnten wir diese Leistung ja outsourcen. BIM ist im Grunde das, was ein Projektsteuerer bei großen Projekten bislang gemacht hat, eben mehr oder weniger gut. Das soll jetzt alles BIM ösen. Aber BIM ist nicht der Knopfdruck, mit dem alles automatisch gelingt, sondern es ist nach wie vor die Qualität der Planer und Ingenieure, die ein System bedienen und die gemeinsam zum Gelingen eines Bauwerks beitragen. Meiner Meinung nach mangelt es derzeit noch an einer umfänglichen und konstruktiven Auseinandersetzung mit dem Thema. Und an der Diskussion um die Honorierung von BIM als Sonderleistung.

PROFILE: Welche weiteren Hindernisse sehen Sie?

Joachim Rind: Viele der kleinen Planungsbüros fallen aus, weil sie sich das Equipment nicht leisten können. Aber nicht nur die Anschaffung der technischen Ausstattung ist ein Hindernis, auch das Zukaufen und das Auf-Stand-Halten der Technik ist ein enormer Kostenfaktor. Um aber nochmals auf Ihre Ursprungsfrage zurückzukommen: Ja, wir arbeiten daran, wir werden nicht um BIM herumkommen. Es ist eine Entwicklung, die nicht aufzuhalten ist. Ob BIM aber für jedes Bauprojekt geeignet ist, wage ich zu bezweifeln. Es gibt ja auch ganz kleine, überschaubare Bauaufgaben. Für die großen und komplexen Aufgaben wird es aber sicher ein Modell sein, das in Zukunft Standard wird.

Was hat Sie heute am meisten interessiert?

»Plan.One finde ich innovativ. Wir planen viel mit BIM, und diese Plattform wäre eine gute Ergänzung. Die Einbindung des Verarbeiters ist interessant. Wenn wir Veränderungen an der Fassade haben, z. B. ein Fenster verschieben, dann ist direkt alles erfasst. Wir haben genau die Maße und Mengen, die wir benötigen, und der Verarbeiter kann es direkt weiter bearbeiten.«

André Tülp, Architekt, dt+p Dorkowski, Tülp und Partner, Bremen/DE


Fotos: Schüco International KG und Frank Peterschröder