1. Architekten
  2. Magazin
  3. Alle Beiträge
  4. BIM
Zur Übersicht

Neue Wege in der Planung

Das Building Information Modeling (BIM)

Was verbirgt sich hinter der Idee des »Building Information Modeling«?

Nicht so viel, eigentlich ist diese Idee auch gar nicht so neu. In der Automobilindustrie wird seit Jahrzehnten kein neues Modell mehr entwickelt, ohne dass sämtliche Design- und Konstruktionsfragen vor dem ersten realen Handschlag im Computer simuliert, geprüft und entschieden werden, und das hin bis zur kleinsten Schraube. Es ist eigentlich nur die Verlegung einzelner Planungsschritte, Kollisionsprüfungen, Berechnungen etc. in die virtuelle Welt des Computers. Für den Architekten bedeutet dies, anstatt wie bisher ein Haus auf verschiedenen einzelnen Plänen, mannigfaltigen Dokumenten und beschreibendenTexten darzustellen und zu erklären, ein möglichst detailliertes und umfangreiches Modell im Computer entstehen zu lassen, das dann die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen und Unterlagen wie Pläne, Ausschreibungen, Berechnungen etc. ist. Sicher ist das eine sehr starke Vereinfachung, auch wird die Veränderung auf absehbare Zeit nicht in derselben Detailtiefe wie in anderen Industrien erfolgen. Die Richtung ist aber klar vorgegeben. Der entscheidende Vorteil ist eine detailliertere Planung in einer wesentlich früheren Planungsphase. Dadurch entsteht die Chance für weitgehende Optimierungen der Planung. Eventuelle Missverständnisse zwischen Bauherrn und Architekten, kritische Planungssituationen, generelle Schwierigkeiten und manchmal auch Planungsfehler können bereits am virtuellen Modell erkannt und gegebenenfalls ohne große Mehrkosten behoben werden. Eine Korrektur am digitalen Modell ist zudem viel preiswerter als eine Behebung des Mangels auf der Baustelle.

Ab wann wird das BIM verbindlich?
Seit Jahren gibt es in skandinavischen Ländern, den Niederlanden oder Großbritannien starke Initiativen – auch von Seiten der öffentlichen Hand –, diese modellorientierte Planungsmethode zum Standard zu machen. In Großbritannien ist sie für die Planung von größeren öffentlichen Bauvorhaben ab Anfang 2016 verbindlich. Der »BIM-Zug« ist nun aber auch in Deutschland angekommen. Im Januar diesen Jahres haben führende Verbände und Institutionen, unter ihnen die Bundesarchitektenkammerund der BDA, aus dem Bereich Planen, Bauen und Betrieb die »planen-bauen 4.0 – Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens mbH« gegründet.

Wie wird es die Planungsprozesse verändern?
Im BIM-Prozess werden sicher wesentliche Entscheidungen vermehrt in sehr frühe Phasen der Planung vorgezogen. Zum einen erfordert die Umstellung auf BIM vom Architekten mehr Leistungen zu einem früheren Planungszeitpunkt als heute in der HOAI vorgesehen. Zum anderen sollten in einem guten BIM-Modell bereits zu einem frühen Planungsstadium viel mehr wirklich verfügbare Bauteile von realen Herstellern mit definierten Bauteileigenschaften verwendet werden als nur Platzhalter aus einer »elektronischen Rotringschablone«, die standardmäßig als Bibliothek zu jedem CAD-Programm mitgeliefert wird. So haben viele Hersteller von Baustoffen und Bauprodukten wie z.B. Schüco bereits beträchtliche Investitionen unternommen, um ihre Produkte den Planern in digitaler Form zur Verfügung zu stellen (siehe auch das Portal BIMobject.com). Die Vorteile der BIM-Planungsprozesse für alle Beteiligten in den verschiedenen Phasen eines Gebäudes bis hin zur Nutzung oder dem Rückbau sind heutzutage unumstritten. Wie sich in den nächsten Jahren die Position und Arbeitsweise der Architekten in Deutschland verändert, wird sich in naher Zukunft zeigen. Wichtig ist, dass sich alle Beteiligten mit dem Thema beschäftigen und die notwendigen Erfahrungen sammeln. Nur so kann verhindert werden, dass die Entwicklung in eine nicht gewünschte Richtung läuft. Erste Schritte sind mit der Gründung der Planen und Bauen 4.0 ja gemacht.

Verschiedene BIM-Lösungen