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3-D-Druck im Bauwesen

3-D-Druck hat in den vergangenen zehn Jahren eine rasante Entwicklung erfahren. Noch sind die Apparaturen und druckbare Materialien sehr teuer. Doch die Möglichkeiten, die das Verfahren auch im Bereich Fassadentechnik verspricht, treibt die Forschung an – insbesondere die Aussicht auf kostengünstige Individualisierung. In Amsterdam arbeitet derzeit ein Forscherteam daran, ein komplettes Grachtenhaus in 3-D-Druck zu fertigen.

Revolutioniert 3-D-Druck das Bauwesen? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. 2014 machte die Nachricht über die zehn chinesischen Häuser des Herstellers Winsun Decoration Design Engineering Furore. Erstaunlich war nicht das Ergebnissperrig wirkende, einfache Häuser. Bahnbrechend war der Einsatz des riesigen, 150 x 10 x 6,60 Meter großen Druckers. Aus architektonischer Sicht zukunftsweisender scheint das Projekt vom Büro DUS architects, die im Norden von Amsterdam ein in 3-D gedrucktes Grachtenhaus entstehen lassen. Direkt auf der Baustelle fertigt das holländische Team Teile des Grachtenhauses und setzt sie nach und nach zu einem dreistöckigen Gebäude mit ornamentreicher Fassade zusammen. Die Vorteile des 3-D-Druck-Verfahrens liegen auf der Hand: Ohne Umwege lässt sich aus einer digitalen Datei ein reales Produkt generieren. Es entstehen weder Abfall noch Transportkosten und am Ende bleibt recyclefähiges Material übrig. Die Befürworter des 3-D-Drucks sehen die Chancen vor allem im hohen Maß der Individualisierung, die das Verfahren mit sich bringt. 3-D-Pro dukte können exakt nach den Wünschen des Kunden gefertigt werden, eine geschwungene Wand verursacht genauso viel Kosten wie eine geradlinige. Insbesondere im Bereich Fassadentechnik sehen Forschungsteams sehr gute Möglichkeiten: Prof. Dr.- Ing. Ulrich Knaack der TU Darmstadt betreut im Moment drei Promotionen zum Thema 3-D-Druck. Nach seiner Einschätzung wird dieses Verfahren die bekannte Massenproduktion im Fenster- und Fassadenbau nicht in absehbarer Zeit ersetzen, sondern vielmehr durch die Produktion einzelner Teile ergänzen. Ganze Häuser bleiben aber nach wie vor Zukunftsmusik, doch der Glaube an das Verfahren beflügelt – auch das Team von DUS.

3-D-Fertigung eines Fensters für das Grachtenhaus von DUS architects