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Zeitgemäß rekonstruiert - Neue Flora in Köln (GER)

Das Palmenhaus im Botanischen Garten dokumentiert ein bewegtes Stück Kölner Stadtgeschichte: Es wurde in den 1860er- Jahren als prächtiger Glaspalast errichtet, im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs zerstört und in den 1950er-Jahren in stark vereinfachter Form wieder aufgebaut. Obwohl seither nur noch wenig an den einstigen Glaspalast erinnert, wurde das Gebäude 1980 in die Denkmalliste aufgenommen.

Von Anfang an war die Flora mehr als „nur“ ein Palmenhaus: Sie diente immer auch als prunkvolle Kulisse für diverse Veranstaltungen – vom stilvollen Empfang bis zum rauschenden Fest im historischen Ballsaal. Und schon kurz nach Kriegsende stellten engagierte Bürger sie soweit wieder her, dass zumindest die Prunksitzungen der Karnevalsgesellschaften hier stattfinden konnten. Es folgten diverse Um- und Ausbauten, doch im Laufe der Jahre entsprach das Gebäude immer weniger den Vorstellungen der anspruchsvollen Gäste. Die Bewertung der Bausubstanz im Hinblick auf die künftige Nutzung als multifunktionale Eventlocation führte schließlich dazu, das Bauwerk komplett zu entkernen, eine zusätzliche Tragstruktur einzufügen und den Altbau in seiner ursprüngliche Kubatur – mit dem historischen Tonnendach – zu rekonstruieren. Die „Neue Flora“ steht nach wie vor auf den ursprünglichen Grundmauern. Zu den wichtigsten räumlichen Veränderungen zählt die Erschließung über einen neuen Haupteingang im Sockelgeschoss, der vom Parkplatz aus barrierefrei zugänglich ist. Das großzügige Foyer erstreckt sich dahinter über die gesamte Gebäudehöhe. Mit einem verglasten Panoramaaufzug gleiten Besucher von dort in die oberen Ebenen zum historischen Festsaal, dem Parksalon und dem neuen Dachsalon unter dem wiederhergestellten Tonnendach. Die heterogenen Anbauten hingegen wurden abgerissen und durch einen verglasten Neubau ersetzt. Dessen großflächige Scheiben sind mit einem floralen Muster bedruckt und nehmen so den gestalterischen Gedanken der Flora in einer zeitgemäßen Architektursprache wieder auf. In seiner bewusst schlichten Formgebung ergänzt der Neubau das historische Palmenhaus mit der stark gegliederten Fassade, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die historischen Fassaden wurden auf Grundlage von Fotografien, die zur Eröffnung im Jahr 1864 entstanden waren, nachgezeichnet und die umlaufenden großformatigen Fenster aus wärmedämmenden Stahlprofilen detailgetreu rekonstruiert. Im wiederhergestellten Dachsalon dagegen ging man weitaus pragmatischer vor: Waren die Rosettenfenster früher aus vielen einzelnen Scheiben mit gusseisernen Sprossen gefertigt, so wurde die Ornamentik der Originalfenster nun einfach auf ein zeitgemäßes Wärmeschutzglas aufgedruckt. Auch die Rekonstruktion des historischen Tonnendachs verdeutlicht den Spagat zwischen der Beibehaltung des historischen Erscheinungsbildes einerseits und der Umsetzung moderner bauphysikalischer Anforderungen andererseits. Hier wurde die einstige Konstruktion aus gusseisernen Sprossen und vielen Hundert kleinen Glasscheiben nunmehr als massive Dachschale erstellt und mit einem Zinkblech gedeckt. Sie in ihrer Filigranität als Stahl-Glaskonstruktion wiederherzustellen, bleibt wohl folgenden Generationen vorbehalten.

Für die Rekonstruktion der umlaufenden historischen Befensterung wählten die Planer ein wärmedämmendes Stahlprofil.
Die neue Flora, Köln