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Made in Skandinavia

3XN verbinden skandinavische Klarheit und Funktionalität mit individuellen Formen und präzise gesetzten Details. Nach frühen Ausrufezeichen wie der 1999 eröffneten Dänischen Botschaft in Berlin hat das Kopenhagener Büro in den vergangenen Jahren eine Vielzahl weiterer international beachteter Projekte realisiert, darunter das dänische Nationalaquarium in Kastrup oder das Bella Sky Hotel in Kopenhagen. Aktuell planen die Architekten unter anderem den neuen Hauptsitz des IOC in Lausanne.

Rund 30 Jahre nach ihrer Gründung gehören 3XN längst zu den gefragtesten Architektenteams in Skandinavien. Mittlerweile beschäftigt das nach den Initialen der drei Gründungsmitglieder benannte, heute von Kim Herforth Nielsen, Jan Ammundsen, Kasper Guldager Jensen und Jeanette Hansen geleitete Büro rund 90 Mitarbeiter an den beiden Standorten Kopenhagen und Stockholm. Den schon zu Beginn sichtbaren Anspruch hinsichtlich Funktionalität, einfacher Orientierung, partizipatorischer Offenheit, Auseinandersetzung mit der Umgebung und elegant-hochwertiger Gestaltung haben sie dabei immer weiter perfektioniert und längst auf einen größeren Maßstab übertragen. Eine gute Gelegenheit für einen umfassenden Überblick über das Werk der Architekten bot vor wenigen Monaten die im Berliner Aedes Architekturforum gezeigte Ausstellung »3XN Architects behind the scenes«. Neben dem Sitz der international tätigen Anwaltskanzlei Horten in Kopenhagen (2009) mit seinem dreidimensionalen Fassadenrelief aus Glas und Naturstein oder der Zentrale der Middelfart Savings Bank (2010) auf der dänischen Insel Fünen mit ihrer spektakulär gefalteten Dach- und Fassadenkonstruktion aus Aluminium wurde dabei auch das dänische Nationalaquarium »Den Blå Planet« in Kastrup (2013) dokumentiert, das sich mit seiner organisch verdrehten Außenhülle aus Aluminium wie ein riesiger Wasserwirbel aus dem Wasser des Öresunds schraubt.

Dynamisch geschwungen: Die Kopenhagener Royal Arena mit ihrer Fassade aus Holz und Glas.

Die verschiedenen Projekte belegen die hohe Expertise von 3XN im Bereich Kultur- und Prestigebauten und überzeugen insbesondere durch ihre individuelle, stadtbildprägende
Ästhetik sowie durch ihre offene und Kommunikation fördernde Organisation: »Wir gehen davon aus, dass Architektur einen großen Einfluss auf unser Verhalten hat«, erklärt
Partnerarchitekt Jan Ammundsen im Gespräch. »Deshalb legen wir großen Wert auf die Schaffung von ganzheitlich gestalteten Räumen und Umgebungen mit hoher
Aufenthaltsqualität, in denen sich die Nutzer als Teil eines größeren Ganzen wahrnehmen. « Großen Wert legen die Planer außerdem auf die Entwicklung und
den Einsatz neuer digitaler Techniken, neuer Materialien und umweltfreundlicher Technologien durch ihre interne Forschungs- und Innovationsabteilung GXN.

Zu den bekanntesten Projekten von 3XN zählt das Bella Sky Hotel (2011) in Kopenhagen, das mit seiner expressiv
verdrehten Silhouette und seiner urban-vibrierenden Elementfassade aus Glas und Aluminium längst zu einem
neuen Wahrzeichen der dänischen Hauptstadt geworden ist. Das größte Hotel Skandinaviens setzt sich zusammen
aus zwei 76 Meter hohen, über einem gemeinsamen Sockel aufsteigenden Türmen, die insgesamt 814 Zimmer und
30 Konferenzräume beherbergen. Um dabei in sämtlichen Bereichen eine optimierte Aussicht zu erhalten, neigen
sich die beiden Baukörper in einem beachtlichen Winkel von 15 Grad in entgegengesetzte Richtungen.

Expressiv verdreht: Das Bella Sky Hotel in Kopenhagen mit seiner gewagten Silhouette und der vibrierenden Elementfassade aus Glas und Aluminium.

Unmittelbar vor der Fertigstellung steht aktuell die kreisrund geformte, multifunktional als Konzert- und Sporthalle nutzbare und für 15.000 Besucher ausgelegte Royal Arena in
Kopenhagen mit ihrer elegant geschwungenen semitransparenten Fassade aus vertikal angeordneten Holzlamellen. Parallel dazu realisieren die Planer außerdem den neuen
Hauptsitz des Internationalen Olympischen Komitees im schweizerischen Lausanne. Die dynamische Form des Gebäudes aus Glas soll dabei ganz bewusst an einen
Athleten in Bewegung erinnern und gleichzeitig die bestehende Parklandschaft am Ufer des Genfer Sees architektonisch aufgreifen.
Und die ringförmig gestalteten Aufgänge im Inneren überzeugen nicht nur als Raumerlebnis, sie halten den Mitarbeitern des IOC auch deutlich sichtbar die olympische
Idee vor Augen.

Text: Robert Uhde
Fotos: Adam Mørk