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Heute an morgen denken

Die ifes aus Köln unter der Leitung von Gerhard Hoffmann hat sich seit über 20 Jahren einem Thema verschrieben, das nun politisch in aller Munde ist: der Energiewende und der Frage, wie sich Gebäude energieeffizient bauen und nachhaltig nutzen lassen. Ein Porträt über einen Pionier in der Entwicklung von ganzheitlichen Energie- und Klimakonzepten für Neubauten und Revitalisierungen.

Fast ist es so, als würde die Sonne scheinen. Dabei ist der Himmel schon auf Herbstwetter eingestellt – und das im September. Es ist die helle Holzverkleidung, in die der Innenhof des „etrium“, des ersten deutschen Passiv-Bürohauses, eingekleidet ist, die diesen Eindruck vermittelt. Und es liegt an dem Tageslichtdach, welches das etrium zu einer hellen, freundlichen Oase inmitten des regnerischen Graus verwandelt. Seit April 2012 ist das von Benthel Crouwel entworfene etrium nun Sitz des Instituts für angewandte Energiesimulation und Facility Management, kurz ifes. Leiter des 12-köpfigen Unternehmens ist Gerhard Hoffmann, der sich 1990 mit der Beratung von Architekten, Bauherrn und Investoren selbstständig gemacht hat und 1998 die ifes gründete. Damit setzte er eine Bewegung mit in Gang, die sich mittlerweile zu einem festen Bestandteil der Architekturdebatte entwickelt hat: das Thema der „Nachhaltigkeit“, vom Begriff her inflationär gebraucht, von der Notwendigkeit nicht mehr aus dem Bauen wegzudenken. Gerhard Hoffmann begleitete auch die Planung und Realisierung des Energie- und Klimakonzepts des etrium, das 2008 als eines der ersten im Passivhausstandard errichteten Bürobauten vom DGNB mit Gold ausgezeichnet worden ist. Im April 2012 bezog die ifes die jetzigen Geschäftsräume. So hatte das Team um Gerhard Hoffmann die Chance genutzt, in ein Haus zu ziehen, das zugleich auch eines der Schlüsselprojekte der ifes ist. Ein Glücksfall, wie Hoffmann betont: „Viele, die das etrium zum ersten Mal sehen, sind erstaunt, wie einfach doch gute und energiesparende Architektur sein kann. Und wir können unseren Kunden am realen Objekt zeigen, wie sich die Technologien, die wir propagieren, auch tatsächlich nutzen lassen und wie wir sie in unserem Alltag erleben.“

Ein „Kind“ der Energie
Doch kurz zu den Anfängen der Energieberatung. Gerhard Hoffmann wurde im Mai 1953 geboren. Er selbst bezeichnet sich als „Kind der Energie“: Nach Abschluss seines Physikstudiums 1971 an der Fachhochschule Aachen/Jülich arbeitete Hoffmann zunächst im Bereich der Kernenergietechnik, bis er sich 1976 – drei Jahre nach der ersten Ölkrise – für ein Zweitstudium der Energie- und Verfahrens- technik an der TU Berlin entschied. 1980, parallel zur ersten Energiewende, stieg Hoffmann in das Thema der Nutzung regenerativer Energien ein. Als Diplomarbeit entwickelte er ein integriertes Simulationsprogramm, mit dem eine ganze Siedlung in Athen mithilfe von Solarkollektoren, Wärme- pumpen und Blockheizkraftwerken mit regenerativer Energie versorgt wurde. Im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland war er als Projektleiter zwischen 1980 und 1986 zum Test von Solarenergieanlagen in Australien, Indonesien und Mexiko tätig. Der entscheidende Schritt, den Hoffmann auf den Weg zur Gründung der ifes brachte, war jedoch seine Tätigkeit als Energie- beauftragter der Stadt Köln: Von 1986 bis 1990 war er zuständig für die Bewirtschaftung und Energieversorgung von rund 1200 Liegenschaften. Ziel seiner Arbeit war es, Energiekonzepte für Gebäude, Quartiere und die Kölner Klärwerke zu entwickeln und deren Realisierung zu begleiten. Um die Planung energiesparender Gebäude zu verbessern, wurden im Rahmen eines Forschungs- programms erste Simulationsprogramme, insofern sie schon auf dem Markt zur Verfügung standen, identifiziert und auf Tauglichkeit getestet. Es folgen die 1990er-Jahre. Die Architekten werden mutiger, die Glasarchitektur hält Einzug in das Bauen. Hoffmann gründet sein Beratungsbüro in Frechen bei Köln – was ihm unter Bauingenieuren und Architekten großen Zuspruch einbringt, doch schon sehr bald kritisch verfolgt wurde. „Da sich die damalige Honorarordnung (HOAI) an den Baukosten orientiert und ich mit meinen Berechnungs- methoden sehr viel genauer den Energiebedarf und damit die Kosten vorhersagen konnte, war der Konflikt zwischen einem erhöhten Planungsaufwand und gegebenenfalls geringeren Honoraren vorprogrammiert,“ so Hoffmann. Um die Methode der dynamischen Gebäude- und Anlagensimulation jedoch auf eine breitere Basis zu stellen, gründet er 1996 zusammen mit seinen damaligen Mitbewerbern den VDI Richtlinienausschuss „Gebäude- und Anlagensimulation“. Dies mündete in der Richtlinie VDI 6020 – Gebäude- und Anlagensimulation.

Die vier Säulen
Seit 1998 basieren die Leistungen des Kölner Unternehmens, das Architekten, Ingenieure, Unternehmer und Bauherren gleichermaßen in allen Planungsphasen eines Bauwerks berät und unterstützt, im Wesentlichen auf vier Säulen: Der größte Anteil der Arbeit der ifes ist die ganzheitliche Analyse und Planung nachhaltiger Energiekonzepte, im Speziellen hier auch der Entwurf und die Optimierung der Bauphysik, der Energietechnik, des Schallschutzes und der Erstellung des EnEVNachweises. Dies alles unter dem Aspekt der Lebenszykluskosten. Eine zweite große Säule bildet die Simulation. Hierbei wird im Wesentlichen zwischen der thermischen Gebäudesimulation, der Anlagensimulation, der numerischen Strömungssimulationen CFD (Computational Fluid Dynamics) und der Brand- und Entrauchungssimulationen unterschieden. Diese Säule ermöglicht die objektive und detaillierte Analyse der Konzepte und Entwürfe in der frühen Planungsphase. Die dritte Säule beruht in der Zertifizierung von Gebäuden nach den Nachhaltigkeitsstandards DGNB, BREEAM und LEED und in der Nachhaltigkeitsberatung von Bauherren und Architekten auf der Basis der unterschiedlichen Zertifizierungssysteme, von der Planungsphase bis zur Fertigstellung. Ein viertes Aufgabenfeld der ifes ist die Planungs- und Qualitätssicherung, u.a. mit den Schwerpunkten Abnahme, Monitoring und Beratung für ein technisches Objekt- und Energiemanagement.

1.360 Projekte in 23 Jahren
Jüngstes Projekt der ifes ist das Green Building „Besucherzentrum des XiXi Wetland-Park in Hangzhou/China“, für das Hoffmann und sein Team das Energie- und Klimakonzept erstellt hatten und das nun mit LEED Platin und dem renommierten chinesischen ELITE Award 2013 in Gold in der Kategorie Architektur ausgezeichnet wurde. Weitere aktuelle ifes-Projekte sind die „Tanzenden Türme“ von Bothe Richter Teherani aus Hamburg sowie der Emporio Tower in Hamburg von HPP. Die Modernisierung des Hochhauses begleitete die ifes von der ersten Konzeptphase bis zur Fertigstellung, mit der thermischen Gebäudesimulation und der bauphysikalischen Analyse der Fassade. Für die LEED-Zertifizierung wurde das Energy Modeling mit einer „Whole Building Simulation“ für das LEED Platin durchgeführt. Auch im Portfolio der ifes: das ThyssenKrupp Headquarter in Essen, das unter Hoffmann als verantwortlicher Senior Auditor das DGNB-Zertifikat Gold erhielt. Ein ifes-Projekt kleineren Formats ist das Badeschiff an der Spree in Berlin von Gil Wilk und Thomas Freiwald. Doch auch im Ausland ist das Team um Gerhard Hoffmann tätig: In St. Petersburg beispielsweise entsteht nach den Plänen von nps tchoban voss derzeit das Newskij Rathaus, dessen zentrales Atrium und die Glaskuppel auf dem Energieund Klimakonzept des Kölner Instituts basiert. Auch wenn nicht alle der rund 1400 Projekte von Anfang bis Ende von der ifes begleitet wurden, so tritt das Institut doch vor allem dann in Erscheinung, wenn Nägel mit Köpfen gemacht werden müssen: Was muss der Planer bauphysikalisch, fassadentechnisch, strömungstechnisch oder klimatechnisch beachten? Meist tritt er mit einer gezielten Aufgabenstellung zu energetischen, bauphysikalischen und/oder Zertifizierungsfragen an die ifes heran. Für die Qualitätssicherung und die Begleitung der Projektrealisation entsteht der Kontakt in der Regel über den Architekten, Bauherrn oder Investor. Eine derartige Bandbreite an Leistungen anbieten zu können, spricht für die ifes und den Leitspruch „Heute an morgen denken“.

ifes
Mit Willenskraft und dem Gespür für den richtigen Zeitpunkt hat Gerhard Hoffmann erfolgreich ein vielseitig agierendes Unternehmen aufgebaut – das dennoch seinen persönlichen Charakter bewahrt hat und das gerade in Zeiten der Globalisierung auf eben jene Werte setzt. Der persönliche Kontakt zu den Kunden ist Hoffmann wichtig – weshalb auch er meist den ersten Kontakt zum Kunden hat. Das Ziel: eine gelungene Zusammenarbeit mit dem Team der ifes. Sympathie und gegenseitiges Verständnis werden dabei großgeschrieben, ja vorausgesetzt. Um den Kontakt zur Wissenschaft und Forschung zu halten, war Hoffmann bereits von 2000 bis 2008 als Dozent und Lehrbeauftragter im Fachbereich Architektur an der Hochschule in Münster tätig. Seit 2013 lehrt er an der FH Südwestfalen im Bereich Gebäudesimulation. Kaum zu glauben, dass sich noch Zeit für Vorträge und Veranstaltungen findet, auf denen Hoffmann immer wieder ein gern gesehener Gast ist: So sprach er beispielsweise zur BAU 2013 oder zur e-world energy & water. Gerhard Hoffmann ist akkreditierter Senior Auditor der DGNB – was allein schon für volle Terminpläne und Projekte sorgt. Für Familie bleibt da wenig Zeit, so der erste Gedanke. Doch das stimmt nicht ganz: Schon 1998 stieg Heide Hoffmann in das Unternehmen ihres Mannes ein; sie ist seitdem für das BackOffice und Marketing verantwortlich. Auch Hoffmanns Tochter ist mittlerweile als BREEAM DE Auditorin im Unternehmen tätig. Für die Zukunft und das weitere Wachstum der ifes im In- und Ausland wurde bereits gesorgt. Die Familie Hoffmann hat zur Stärkung und Erweiterung der Wertschöpfungskette für Gebäude und Produktion seit September 2013 den TÜV Rheinland Industrie Service als Gesellschafter aufgenommen. Die ifes wird mit einem größeren Leistungsspektrum als eigenständige Tochter weiterhin in allen bisherigen Bereichen und Leistungen der Ansprechpartner bleiben und gemeinsam mit dem Kunden die flexiblen und richtigen Lösungen finden. Gerhard Hoffmann wird auch in Zukunft die Themen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit durch solide Beratungstätigkeit und durch den Einsatz modernster Tools unterstützen und dem Ziel des gesamten ifes-Teams „Heute an morgen denken“ treu bleiben.