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Futurium, Berlin: Wo Zukunft gegenwärtig ist

Das »Futurium« – ein Gemeinschaftsprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, wissenschaftlicher Organisationen, Stiftungen und verschiedener forschender Unternehmen – will in Ausstellungen, Veranstaltungen und im Labor Einblicke in die Welt von morgen geben und Szenarien möglicher Zukünfte präsentieren. Diese Zukunftswelten können Besucher dank zweier großformatiger »Screens« jederzeit mit der Realität der Außenwelt in Verbindung bringen.

Objekt:
Futurium
Standort:
Alexanderufer 2, 10117 Berlin/DE
Bauherr:
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Berlin/DE, mit Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin/DE
Architekten:
Richter Musikowski, Berlin/DE
Bauzeit:
2015 – 2017
Grundstück:
5.635 m2
Bruttogeschossfläche:
14.007 m2

Die Gesamtansicht erlaubt einen bemerkenswerten Vergleich: Während die etwas über 6 m hohe Eingangsfassade die Verwendung hochstatischer Stahlprofile erforderte, konnte die darüber liegende (im Süden 8 m, im Norden 12 m hohe) Structural­ Glazing­Fassade mit sehr feingliedrigen Profilen realisiert werden.

Nutzfläche:
8.154 m2
Generalunternehmer:
BAM Deutschland AG, Berlin/DE
Planung Panoramafassade:
Richter Musikowski, Berlin mit Metallbau Windeck GmbH, Kloster Lehnin und glasfaktor Ingenieure GmbH, Dresden/DE
Montage Panoramafassade:
Metallbau Windeck GmbH, Kloster Lehnin
Schüco Stahlsysteme Jansen:
VISS SG Structural Glazing und VISS hochstatische Profile
Systemlieferant:
Jansen AG, Oberriet/CH

Mit Paraffin gefüllte und farbigem Licht bespielte Scheiben verkleiden den Aufzugskern und einen Paraffinspeicher, der Solarenergie speichert. Auch diese Einhausung wurde mit dem Structural­Glazing­System VISS SG konstruiert.

Die beiden Structural­Glazing­Fassaden messen 28 mal acht Meter (nach Süden, mit Sicht auf das Kanzleramt und den Deutschen Bundestag) bzw. 28 mal zwölf Meter (nach Nordosten, mit Ausblick auf das Gelände der Charité und den Berliner Hauptbahnhof). Neben den gestalterischen Anforderungen an maximale Scheibenformate und minimierte Tragstruktur galt es, auch die baulichen Anforderungen an Schallschutz, Wärmeschutz, Sonnenschutz, Verdunklung, Windlast, Brandschutz und Absturzsicherheit zu erfüllen.

Der statische »Kunstgriff« für die Konstruktion der großformatigen Structural­Glazing­Fassade mit extrem schmalen Fugen liegt in der Umkehr der Lastableitung: Die Eigen­ und Nutzlasten der im Norden elf und im Süden 18 Meter weit auskragenden Geschossdecke werden über stählerne Zuglamellen abgetragen, die jeweils an einem oberen Stahl­Hohlkastenträger hängen. Dadurch bleiben die Lamellen immer unter Zugbeanspruchung und konnten sehr schlank ausgebildet werden. Auch die Lasten der beiden Structural­Glazing­Fassaden werden über diese Stahlschwerter abgetragen. »Umkehr« des statischen Systems bedeutet, dass nicht die Pfosten, sondern die horizontal gespannten Riegel die Windlast aufnehmen. Die vertikalen Pfosten sind lediglich dazwischengesteckt. Die statisch angestrebte Lösung funktioniert, sobald alle Bauteile inklusive des Dachtragwerks kraftschlüssig miteinander verbunden sind.

Die in die hängende Pfosten­Riegelkonstruktion aus VISS SG eingesetzten Dreifach­Isolierverglasungen sind circa 2,3 x 4 m groß und als Structural­Glazing­System ohne sichtbare Glashalter befestigt.

Die beiden Panoramafassaden sind eine objektspezifische Lösung, wie sie nur mit Stahlprofilen realisiert werden kann. Die Architekten entschieden sich für das Profilsystem VISS SG in einer Profiltiefe von nur 150 Millimetern und schlanken 60 Millimetern Ansichtsbreite. An der Nordostfassade, wo die größten Scheiben verbaut sind, konnte so nahezu das maximale Glasformat ausgereizt werden, das die Zulassung für dieses Ganzglasfassadensystem gestattet. Im Dialog mit dem ausführenden Verarbeitungsbetrieb Metallbau Windeck GmbH und glasfaktor, einem Ingenieurbüro für Glasstatik, wurde ein spezieller Glashalteanker entwickelt. Deshalb sind die Silikonfugen der Ganzglasfassaden in der vertikalen Anordnung 20 mm breit, in der horizontalen dagegen 30 mm – angesichts der gewaltigen Dimensionen der Gesamtfassade ein vernachlässigbarer Unterschied, den nur das geschulte Auge bemerkt.

Text: Anne-Marie Ring
Fotos: Stephan Falk, Berlin, Jansen AG, Oberriet/CH

Für den Eingangsbereich wählten die Architekten die neuen, hochstatischen Profile aus dem VISS-Stahlprofilsystem von Schüco Stahlsysteme Jansen. Die Flügeltüren sind als Fluchtwegtüren konzipiert; sie wurden in der maximal zulässigen Breite gebaut.