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FACID - die flexible Fassade

Eines der Fokusthemen zur BAU 2017 war die flexible Textilfassade FACID. Mit ihr wird die große Bandbreite der Gestaltungsfreiheit für die Gebäudehülle in Schüco Qualität nochmals erweitert. 

©Mark Wohlrab
©Sign Comp, USA
©Alexander Obst_Marion Schmieding

Interview mit Hans Jörg Rudolph, Geschäftsführer EPS Systems GmbH & Co.KG

PROFILE: FACID eröffnet interessante neue Gestaltungspielräume. Für welche Einsatzgebiete ist die textile Fassade geeignet?

Hans Jörg Rudolph: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Durch die Möglichkeit der Überspannung können einzelne Gebäudekörper, die sich in Baustil und Anordnung der Fensterflächen unterscheiden, zusammengefasst oder einzelne Bauteile gestalterisch aufgewertet werden. Was aus der Ferne als Körperhaftigkeit wahrgenommen wird, löst sich im Innenraum durch die Hülle mit fast transparenter Durchsicht nach außen auf. Durch diese Semitransparenz des Gewebes entstehen vielfältige Möglichkeiten: Als Sonnenschutz eingesetzt, reduzieren die Gewebe den Wärmedurchlass um bis zu 70%. Die Hülle kann aber auch als Projektionsfläche von vorne und hinten dienen und Effekte der Tiefenstaffelung wie bei einer Theaterinszenierung entstehen lassen. Neben des flächigen Systems, können integrierte Sonnen- und Sichtschutzmodule auch als dekorative Elemente oder punktuelle Akzente eingeplant werden. Manuell oder motorisch bewegt ergibt dies ein lebendiges Spiel auf großen Fassadeflächen. 

PROFILE: Herr Rudolph, was unterscheidet Ihr System von anderen Textilfassaden? 

Hans Jörg Rudolph: FACID basiert auf dem Systemgedanken. Statt individuell realisierter Sonderkonstruktionen arbeiten wir mit einem Profilbaukasten. Die Technologie ist statisch berechnet, geprüft und zugelassen und kann alle Details im System lösen. Das Profilsystem basiert auf einem patentierten Spannsystem in Form der Tuchhaltertechnik ohne Hohlsaum oder aufwändige Konfektionierung.

PROFILE: Was ist der Vorteil dieser Technologie?

Hans Jörg Rudolph: Die reversiblen Tuchhalter werden direkt auf das Gewebe aufgeklemmt und dann im Spannkanal des Profils eingerastet. Durch den innenliegenden Mechanismus spannt das Gewebe gleich perfekt und braucht nicht erst durch aufwendiges Nachspannen in Form gebracht werden – das ermöglicht eine schnelle und sichere Montage auch an schwer zugänglichen Orten. Der einfache Spannmechanismus ermöglicht zudem jederzeit einen partiellen Austausch. Ein unschätzbarer Vorteil, wenn zum Beispiel die Nutzer wechseln oder das Gewebe durch die technologische Weiterentwicklung weitere Funktionen übernehmen könnte.

PROFILE: Gibt es Einschränkungen in Höhe und Breite?

Hans Jörg Rudolph: Im Prinzip können wir mit einer Standard-Rasterbreite von 2,50 Metern Fassaden in horizontaler oder vertikaler Verlegerichtung in fast beliebiger Länge umsetzen. Abhängig vom Standort, zum Beispiel wegen der Wind- und Flächenlast, sind natürlich auch abweichende Rasterbreiten bis zu 5 Metern und Feldformen möglich. Auch eine Dreidimensionalität ist als Standard machbar, die Anpassung der Profile in die räumliche Tiefe oder Änderung der Form ist, im Gegensatz zu anderen Bekleidungsmaterialien unkompliziert umsetzbar. Ob 100 oder 10.000 Quadratmeter – das System gibt die Sicherheit und Qualität, die man auch aus dem Metallbau kennt.

PROFILE: Werden für das System spezielle Gewebe entwickelt?

Hans Jörg Rudolph: Unsere Gewebe wurden von weltweiten Knowhow-Führern entwickelt, die die Eigenschaften und Einsatzgebiete der Textilien stetig weiterentwickeln. Dabei kommen fast immer PVC-Polyester Gewebe zum Einsatz, die in einer besonderen Vorspanntechnologie hergestellt sind. D.h. noch vor der Beschichtung wird das Gewebe aufs Maximum vorgedehnt um die natürliche Nachdehnung um bis zu 90% zu reduzieren. Auf diese Weise verhindert man das unschöne Ausbeulen durch das Eigengewicht des Textils und kann viele Jahre auf eine unveränderte Spannkraft bauen. Mittlerweile können wir 10 Jahre Herstellergarantie auf UV-Stabilität, Faserbruch und Optik geben. Der Digitaldruck wird zusätzlich mit einer Zweikomponentenzusatzbeschichtung versehen und beeinträchtigt weder Lebensdauer noch Eigenschaften des Materials. 

PROFILE: Wie sieht es mit den Brandschutzeigenschaften aus?

Hans Jörg Rudolph: Sicher – Brandschutz ist ein großes Thema. Unsere polymerbeschichteten Polyestergewebe erfüllen die Brandschutzklasse B1. Sobald die Gebäudehöhe über 20 Meter beträgt und wir über die Hochhausrichtlinie speziellen Anforderungen genügen müssen, kommen PTFE beschichtete Glasfasergewebe mit Brandschutzklasse A2 zum Einsatz.


Interview mit Lisa Silvestri (Architektin) und Andreas Köhler (Architekt)

PROFILE: Was schätzen Sie an Schüco?

Lisa Silvestri: Wir bauen sehr viel mit Schüco. Es ist für uns eine sehr bewährte Marke. Und wir sind immer an den Neuheiten interessiert, die wir hier auf der Messe live erleben können. Einfach anzuschauen, anzufassen. Das macht viel Spaß!

Andreas Köhler: Das ist immer das Beste auf der Messe: Man sieht, was es Neues gibt, und man kann die neuen Elemente auch gebaut sehen.

PROFILE: Ist FACID für Sie ein Thema?

Lisa Silvestri: Noch nicht, aber denkbar ist es. Wir müssen in der Architektur auf den Klimawandel reagieren. Das Thema Sonnenschutz gewinnt da - mit zunehmend an Bedeutung, insofern auch die Textilfassade. Ich kann mir durchaus vorstellen, ein System wie FACID in unseren zukünftigen Projekten anzuwenden.

Interview mit Jennifer Sobotta (Architektin)

PROFILE: Frau Sobotta, Sie arbeiten als Architektin für ein großes Modeunternehmen. Was interessiert Sie am Schüco Stand
besonders?

Jennifer Sobotta: Schüco ist für uns ein Begriff, auch, weil es eine sehr innovative Firma ist. Besonders interessieren uns an der Fassade die Gestaltungsmöglichkeiten. Die muss einladend und eigenständig in der Gestaltung sein. Hierzu zählen u.a. große Glasflächen mit schmalen und reduzierten Fensterprofilen. Wir suchen Inspiration! Das Erste, was ich hier auf dem Messestand im Blick hatte, war die Textilfassade FACID.

PROFILE: Was reizt Sie an der Textilfassade?

Jennifer Sobotta: Ihre Flexibilität in der Formengebung und Gestaltung. Für mich als Architektin eines Modeunternehmens liegt der Fokus vor allem auf der Eingangs- und Schaufenstergestaltung, die mit diesem System individuell umgesetzt werden kann. Ich kann mir auch vorstellen, mit einer Textilfassade beispielsweise Zonierungen auf der Verkaufsfläche zu gestalten. FACID ist ein wirklich interessantes System!

Fotos: EPS Systems und Frank Peterschröder