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Energetische Modernisierung

Im Themenstudio »Energetische Modernisierung« stellte Schüco u. a. die Modernisierungsfassade ERC 50 vor. Sie gewährleistet eine energetische Aufwertung des Gebäudes und den Einbau bei laufendem Betrieb.

Joachim H. Faust - Geschäfts führender Gesellschafter der HPP GmbH + Co. KG

Energetische Modernisierung ist eine Architektenaufgabe

Die aktuell in der Öffentlichkeit geführte Diskussion über die Stärke von Dämmstoffpaketen an Außenfassaden ist zu einseitig. Ein Bauherr lässt sich heute nicht davon überzeugen, mehr Geld in eine Gebäudefassade zu investieren, wenn man »nur« geringere Betriebskosten in Aussicht stellt.

Vielmehr ist eine energetische Modernisierung dann erfolgreich, wenn die Funktionstüchtigkeit und die gestalterische Form der Modernisierung nachhaltig werthaltig sind. Um das zu erreichen, muss bei den beteiligten Akteuren innovatives Bewusstsein herrschen und nicht altgediente Sanierungsrezepte. In den vergangenen Jahren hat unser Büro eine Vielzahl von Modernisierungen geplant, teilweise sogar denkmalgeschützte Bauwerke in die energetische Neuzeit gebracht. Als Architekten sind wir immer auf der Suche nach Lösungen, die für den speziellen Ort und die Aufgabe eine passende Antwort geben. Dabei hilft die Industrie mit innovativen Produkten. Die Gebäudehüllen, Dach und Fassade, haben in der energetischen Modernisierung eine besondere Priorität. Fenster mit U-Werten von 0,8–1,4 W/qmK, hochwirksam gedämmte Profile mit schmalen Ansichtsbreiten und integrierten Beschlägen, Dreifachverglasungen mit hohem Tageslichtdurchlass, außenwirksamer und windunempfindlicher Sonnenschutz,Wärmedämmung im Glasfalz und vieles mehr sind wichtige Innovationen. Gerade im Fassadenbereich hat die Industrie Systemlösungen und Produkte entwickelt, die ganzheitlich im Sinne von Technik, Energieeinsparung und architektonischer Gestaltung sinnvolle Lösungen bieten. Wärmedämmung allein spielt also nicht die entscheidende Rolle, sondern Lösungen,die der Ästhetik und der Funktion eines Bauwerks dienen und damit die Erwartungen der Bauherren und Nutzer erfüllen. Rezepte aus der Schublade sind dabei wenig hilfreich, sondern das optimierte Zusammenspiel innovativer Lösungen führt zum Ziel.

Joachim H. Faust

Alexander Widlowski - Architekt h4a Gessert & Randecker Architekten BDA, Stuttgart /GER

Modernisieren bedeutet, die Qualität steigern

Es geht nicht darum, zu sparen, sondern wirtschaftlich zu bauen. Jede Entscheidung hat immer einen Gegenpart. Am effektivsten ist deshalb die ganzheitliche Optimierung von Objekten.

PROFILE: Wo liegt das größte Einsparpotenzial bei der Modernisierung?
Alexander Widlowski: Bei einer energetischenModernisierung ist die einfachste Maßnahme ganz klar die Fassadensanierung, die einen Großteil der Hülle ausmacht. Wirtschaftlich ist, wenn ein Gebäude auch in 25 Jahren noch uneingeschränkt genutzt werden kann. Die vermeintlich kostengünstigste Lösung zieht eventuell in zehn Jahren Folgekosten nach sich. Es geht immer darum, eine vernünftige Qualität zu garantieren. Denn Fakt ist, die Baukosten entsprechen etwa nur 20% der Kosten, die auf die Laufzeit von 30 Jahren anzusetzen sind. Häufig werden die Entscheidungen an den Oberflächen und dem Erscheinungsbild festgemacht. Die zugrundeliegenden, technischen Punkte und die Lebenszyklusaspekte lassen sich häufig nur schwer vermitteln. Dabei ist gerade das langfristig relevant.
PROFILE: Die Modernisierungsfassade ERC 50 ermöglicht die Sanierung von Fassaden vollständig von außen, ohne den laufenden Betrieb zu beeinträchtigen. Sehen Sie darin Vorteile?
Alexander Widlowski: Ja, wenn es um die reine Fassadensanierung bei privaten Immobilien geht, sicherlich. Die neue Hülle muss natürlich gestalterischzu dem Objekt passen, dann würde ich ein solches System vorschlagen. Das könnte vieles erleichtern vorausgesetzt, es lässt genügend gestalterischen Spielraum. Prinzipiell ist das eine feine Sache.

Gonzalo Alava - Bauwerke Architekten, Berlin/GER

Kosten als entscheidender Faktor

PROFILE: Ist energetische Modernisierung für Sie ein Thema?
Gonzalo Alava: Ja, unser Büro arbeitet normalerweise in Umbau und Sanierung.
PROFILE: Wo sehen Sie dort die größten Einsparungspotenziale? Und welche Rolle spielt die Fassade?
Gonzalo Alava: Natürlich die Hauptrolle! Dann die Verbindungen zwischen Fenster und Fassade. Die Profile sind sehr wichtig. Heutzutage sind alle extrem dicht, aber mit den Passivhausanforderungen muss man alles noch dichter machen, sodass es funktioniert.
PROFILE: Sanieren Sie Gebäude bei laufendem Betrieb? Wenn ja, welche Kriterien müssen stimmen, damit dies überhaupt möglich ist?
Gonzalo Alava: Ja, das machen wir. Es gibt natürlich immer den Aspekt der Kosten. Auch der Zustand des Gebäudes ist ausschlaggebend. Bei zu hohen Investitionskosten lohnt es sich vielleicht nicht. Wenn das Gebäude aber z.B. unter Denkmalschutz steht, steht das außer Frage.