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DGNB-Kolumne

Prof. Manfred Hegger, TU Darmstadt, ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen DGNB. Die Themen Verantwortung und Nachhaltigkeit sind für ihn eng miteinander verknüpft. Nur ein ökologisch, ökonomisch und sozial verantwortungsvolles Gebäude ist auch ein nachhaltiges Gebäude.

Häufig wird eine inflationäre Benutzung des Begriffs „Nachhaltigkeit“ beklagt. In Selbstdarstellungen und Werbung gilt er als nahezu unverzichtbar, umfassend eingelöst wird weniger. Dennoch scheint es so, dass die Behauptung von Nachhaltigkeit zunehmend auch Veränderungen im Denken und Handeln von Unternehmen nach sich zieht. Dr. Bernd Klauer vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung hat in seinem Aufsatz „Was ist Nachhaltigkeit“ festgestellt: „Die Gemeinsamkeit aller Nachhaltigkeitsdefinitionen ist der Erhalt eines Systems. Es soll also immer etwas bewahrt werden zum Wohl der zukünftigen Generationen.“

Dieses Ziel, die Verantwortung für das Wohl zukünftiger Generationen, ist oberste Regel nachhaltigen Handelns. Nachhaltigkeit umfasst ökologische, ökonomische und soziale Aspekte. Uneinigkeit herrscht über deren Gewichtung. Viel spricht dafür, dass die Umwelt die Grundlage für die Gesellschaft ist, Umwelt und Gesellschaft die Basis für ökonomische Systeme. Hieraus ergeben sich Zweifel am gesellschaftlichen Primat ökonomisch orientierten Optimierens aller Lebensbereiche Ein gesellschaftlicher Wandel, der diesem Umstand Rechnung trägt, scheint gerade erst begonnen.

Bauwesen und Gebäude haben auf alle Aspekte der Nachhaltigkeit einen großen Einfluss. Durch hohen Ressourceneinsatz und lange Lebenszyklen, aber auch durch ihre Gestaltung und ihre Wirkung auf ihre Benutzer haben Gebäude besonders großen Einfluss auf Umwelt und Gesellschaft. Unser Alltag, unsere Welt ist von Räumen und Gebäuden bestimmt.

Gerade deshalb sollte das Bauwesen in der nachhaltigen Entwicklung vorangehen. Städte und Verkehr, Energiesysteme und Gebäude erfahren einen beschleunigten Veränderungsprozess. Dabei helfen technische Innovationen, die ökologischen und ökonomischen Ressourcen zu schonen und gleichzeitig den Nutzerkomfort zu erhöhen. Um die Vorteile solcher Technologien darzustellen, muss die Nachhaltigkeit von Gebäuden messbar, nachweisbar sein. Hier leistet das Zertifizierungssystem der DGNB einen wichtigen Beitrag.

Es ist einer von vielen Bausteinen in einem neuen gesellschaftlichen Entwicklungs- und Gestaltungs-
prozess. Er führt aus der gegenwärtigen Verschwendung ebenso heraus wie aus einer nicht vermittelbaren Verzichtsethik. Gehen wir ihn richtig an, können wir zuversichtlich in eine Zukunft schauen, die Ressourcen schont und Wirtschaften neu definiert, und die faszinierende Räume schafft, die wir dann zu Recht als nachhaltig bezeichnen können.