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Bürogebäude Rijnstraat

Das in die Jahre gekommene Gebäude Rijnstraat 8 in Den Haag, ehemals Sitz des Ministeriums für Wohnungswesen, Raumordnung und Umweltschutz, wurde von OMA unter der Regie von Ellen van Loon in eine moderne Bürolandschaft transformiert, mit spannenden Bezügen zum umgebenden Stadtraum. Offenheit und Transparenz strahlt das Regierungsbauwerk heute aus, auch dank der Öffnung des Erdgeschosses und einer neu geschaffenen, großflächigen Glasfassade.

Objekt:
Bürogebäude Rijnstraat 8
Standort:
Den Haag, NL
Architekten:
OMA, Ellen van Loon
Projektleitung:
BAM
Bauphase:
2012–2017
Verarbeiter:
De Groot & Visser/Vorsselmans
Schüco System:
Sonderkonstruktion

Wo vorher eine geschlossene Betonwand war, öffnete Ellen van Loon das Gebäude zur Stadt hin mit einer großen Glasfassade. Durch die Dreifachverglasung sowie Sonnenkollektoren auf dem Dach und eine Biogasanlage konnte der Energieverbrauch optimiert werden.

Der 16-geschossige Gebäudekomplex gegenüber dem Hauptbahnhof galt zur Zeit seiner Fertigstellung 1992 als Vorzeigeobjekt für nachhaltiges Bauen. Acht unklimatisierte Atrien holten den Außenraum nach innen und boten den damals über 3 000 Beschäftigten begrünte, vom Straßenlärm abgeschottete Innenräume mit hoher Aufenthaltsqualität.

OMA entwickelte ein zeitgemäßes Konzept mit dem Ziel, die architektonischen Qualitäten des Bestands zu erhalten und zeitgemäß neu zu interpretieren. Zudem galt es, das Gebäude gemäß dem neuen Masterplan der Stadt zu optimieren, der mehr Effizienz in Entwurf, Bau, Finanzierung, Instandhaltung und Betrieb von öffentlichen Gebäuden zum Ziel hat. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit Jan Hoogstad durchgeführt, dem Architekten des Originalbaus. Sämtliche Innenwände, Decken und Böden wurden im Zuge der Umstrukturierung entfernt, und auch dieses Mal legte man großen Wert auf Nachhaltigkeit: Die abgetragenen Materialien – etwa 20 % des Gebäudes – wurden konsequent getrennt und laut Angaben der Architekten zu über 99 % für die Neugestaltung wiederverwendet.

Bei teilweise geöffneter und teilweise geschlossener Verschattung wirkt die Fassade belebt und lässt die Struktur des Gebäudes erahnen.

Im neuen Gebäudekomplex sind nun Außenministerium, Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft, die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber und das Einbürgerungsamt untergebracht. Den vielfältigen Anforderungen an moderne Bürogestaltung entsprechend wurde eine lebendige Mischung aus Großraumbüros, Einzelarbeitsplätzen, Besprechungskuben und zweigeschossigen Bereichen geschaffen, die hohe Flexibilität bei gleichzeitiger Flächeneinsparung bietet. Die vertikale Erschließung der lichtdurchfluteten Atrien erfolgt über markante, freitragende Treppen aus schwarzem Stahl. Ebenfalls neu geschaffene Flure, die über die gesamte Länge des Gebäudes verlaufen, verbinden die einzelnen Trakte, bieten Orientierung und ermöglichen Ausblicke in die Umgebung.

Sowohl architektonisch als auch städtebaulich bedeutsam ist die neu gestaltete Eingangssituation. Das Erdgeschoss wurde teilweise zum öffentlichen Raum mit einer großzügigen Plaza, die den Hauptbahnhof mit der Fußgängerzone verbindet. Ein weiterer Bezug zur Stadt wird durch die neue Glasfassade an der Stirnseite des Gebäudes geschaffen. Speziell angefertigte V8-Profile mit Dreifachverglasung tragen neben dem Einsatz von Solarpaneelen, LED-Beleuchtung sowie Wärme- und Kältespeicherung zu einer deutlichen Reduzierung des Energieverbrauchs bei.

Text: Brigitte Bernhardt
Fotos: Nick Guttridge, Delfino Sisto Legnani and Marco Cappelletti © OMA

Freitragende Treppen erschließen jeweils drei Geschosse. Die aus schwarzem Stahl gefertigten Treppenläufe bilden prägnante visuelle Elemente vor den weißen Brüstungen und Glasflächen des Atriums.