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Aus der Praxis

Herausragender Auftrag – AVUS Kanzel, Berlin

Die Tribüne an der AVUS gilt als ein Berliner Wahrzeichen. Vor rund 100 Jahren wurde sie als Zuschauerraum zur Rennstrecke gebaut. Aufwendig ist das denkmalgeschützte Objekt nun saniert und ausgebaut worden. Dabei kam eine besondere Konstruktion in der Kanzel zum Einsatz. Schüco Partner Luckey Metallbau aus Ostwestfalen hat sie realisiert.

Nähern sich Besucher der Tribünenanlage von der Rückseite, blicken sie zunächst in eine 240 Meter lange Schlucht – in den Arkadengang. Schüco Partner Luckey Metallbau aus Bad Wünnenberg-Haaren (Kreis Paderborn) hat hier unter anderem 32 Elemente mit dem System Schüco AWS 75.SI+ umgesetzt. Die Räume werden später als Büroflächen vermietet. Aber das ist nicht das Spektakuläre an dieser Jahrhundertbaustelle. Das Highlight sind die Glaselemente, mit denen die Kanzel eingehaust wird. Investor Hamid Djadda setzt seine Vision vom „AVUS Mobility Center“ um, er will das Bauwerk einzigartig machen.


Steigt man die Treppe hinauf zur Kanzel, zeigt sich, wie ungewöhnlich das Projekt ist: Die Fassade öffnet sich zur Autobahn, auf der täglich Tausende von Autos auf dem Weg nach Süden oder stadteinwärts vorbeirasen. Der Lärmpegel ist enorm. Die Monteure arbeiten zum Teil nur etwa 50 Zentimeter von der Autobahn entfernt. Im Moment ist eine Fahrbahn gesperrt, um Raum für die Montage zu schaffen. Dazu sagt Geschäftsführer Hans-Werner Luckey: „Die Glaselemente können wir nur in den Ferien montieren. Dies ist der einzige Zeitraum, in dem durch die Teilsperrung nicht die ganze Bahn verstopft würde.“

Die AVUS-Kanzel an der ehemaligen Rennstrecke und Autobahn in Berlin: Früher hielten sich hier die Rennleitung, Presse und VIPs auf. Künftig werden hier Events veranstaltet.

„Schüco und sein Partner haben den notwendigen Background, um mit der Konstruktion Schallschutz zu gewähren und weitere Vorgaben zu erfüllen. Sie haben uns entsprechend beraten.“
Bernd Pauls, Projektleiter Architekturbüro Velde, Euskirchen

„Der Fortschritt ist trotz der Pandemie sportlich und sicher gibt es auch Materialengpässe. Hier arbeiten alle sehr engagiert: Funktioniert Plan A nicht, kommt eben Plan B. Wir haben mit der Firma Luckey einen kompetenten Partner an der Seite, der auch Lösungen findet, wenn das historische Objekt Überraschungen bereithält.“
Bauherrnvertreter Friedrich-Carl von Zitzewitz, VON ZITZEWITZ GmbH, Berlin

Zügig füllen sich die Fassadenfelder mit den Glas-Elementen. Ein Monteur im Hubwagen passt sie in
die Schüco AOC 75 Aufsatzkonstruktion ein. Das Team hatte sie vorher auf der Stahlunterkonstruktion angebracht. Die Fassade der Kanzel wird komplett mit Glaselementen versehen: Es entsteht eine 400 Quadratmeter große Front mit einer Verglasungsstärke von 60 Millimetern. Das bedeutet für die Monteure, dass sie ein Gewicht von 100 Kilogramm pro Quadratmeter handeln. In Summe macht das rund 40 Tonnen. Klar, dass hier ein Kran, Fingerspitzengefühl und viele Hände beim Einpassen der Elemente gefragt sind. Notwendig ist diese Stärke, damit die Konstruktion den extremen Sog- und Druckkräften standhalten und den notwendigen Lärmschutz garantieren kann.


Für das spezielle Glas ließ Schüco Partner Luckey Metallbau vier unterschiedliche Scheibenebenen zu einer Isolierglaseinheit verkleben. Die innere Scheibe besitzt eine Schicht aus Flüssigkristallen, die steuerbar sind. Innerhalb von nur einer Sekunde lassen sich rund 250 Stufen der Verdunkelung schalten. Dazu erreicht das Glas einen Sonnenschutz bis 98 Prozent. Damit Autofahrer nicht von sich spiegelnden Lichtern geblendet werden, ist die äußere Scheibe mattiert. Die innere Scheibe ist mit einem speziellen Siebdruck für einen Gardineneffekt versehen worden. „Wir hatten die Idee, das Glas einzusetzen, haben Muster erstellt, in der Firma getestet und zur Auswahl gestellt“, berichtet der Geschäftsführer. „Im Herbst vergangenen Jahres fiel dann die Entscheidung für das Glas. Wegen der Kristalle war hier eine besonders eisenarme Mischung gefragt.“


Baufortschritt ist sportlich

Nun befinden sich alle Elemente auf der Baustelle, das Bauvorhaben kommt gut voran. Für den Schüco Partner ist dies kein Auftrag wie jeder andere. Denn normalerweise baut das Unternehmen Luckey Metallbau solche Spezial-Fassaden nicht. „Ich habe mir die Entscheidung für dieses Bauvorhaben nicht leicht gemacht,“ erzählt Hans-Werner Luckey. „Doch für uns ist es eine einmalige Chance. Dies ist ein herausragender Auftrag, der in unsere Firmengeschichte als etwas ganz Besonderes eingehen wird.“ Der Abschluss des Bauvorhabens ist für Ende September geplant. Dann soll das Bauwerk anlässlich des 100. Jubiläums eröffnet werden. Wir drücken die Daumen, dass alles weiterhin gut klappt.

Foto Luckey AVUS Berlin 2021_07-Presse Freisteller

3 Fragen an ...

... Hans-Werner Luckey, Geschäftsführer Luckey Metallbau, Wünnenberg-Haaren

Herr Luckey, wie lässt sich ein so ungewöhnliches Bauvorhaben während einer Pandemie planen und umsetzen?
Unter Corona-Bedingungen war es nicht immer einfach, klar. Viele Strategietermine konnten jedoch online stattfinden. Unser Unternehmen ist modern und digital ausgerüstet, im Backoffice ebenso wie in der Produktion. Das kam und kommt uns zugute.

Für jede der 90 sehr schweren Scheiben sind etwa 30 Meter Kabel zu verlegen – und die Montage vom Glas konnte nur in den Sommerferien erfolgen. Wie haben Sie das gemeistert?
Wir sind auf allen Ebenen sehr gut mit professionellen Partnern vernetzt, mit denen wir langfristig zusammenarbeiten. Die Montageteams arbeiten bei Wind und Wetter und sind sehr zuverlässig. Insgesamt waren etwa 50 Leute mit der Umsetzung beschäftigt. Nur in den Ferien arbeiten zu können, bedeutet schon einen harten Anschlag – und stellt unsere Projektleiter noch einmal mehr vor Herausforderungen.

Inwieweit wird Ihnen eines der Berliner Wahrzeichen als Referenz für weitere Aufträge dienen?
Der Glasaufbau wird eigens für dieses Bauvorhaben hergestellt und in dieser Konstellation wahrscheinlich nie wieder benötigt. Ich habe lange überlegt, ob wir uns an dem Vorhaben beteiligen. Als dann gewisse Parameter erfüllt waren, etwa in Sachen Vorleistungen und finanzieller Sicherheit, haben wir beschlossen, uns der Herausforderung zu stellen. Für uns ist die AVUS-Kanzel ein herausragender Auftrag, auf den wir sehr stolz sind.

Mehr Informationen zum Objekt finden Sie bei JANIESCH architektur, Hamburg.

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