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Interview

Leben im Grünen

In Winsen zu leben, eingebettet zwischen der Lüneburger Heide und dem Urstromtal der Elbe, klingt für manch einen wunderbar idyllisch. Für die Familie Joost, die zuvor in der Hamburg City wohnte, war der Gedanke zuerst gewöhnungsbedürftig. Heute liebt sie ihr Zuhause auf dem Land. Carsten Joost realisierte als Bauherr, Architekt und Bauunternehmer in einer Person das Einfamilienhaus im Grünen und schuf den perfekten Rückzugsort für seine Familie.

Was bedeutet für Sie „Zuhause“?
Es ist ein Rückzugsort und die Basis für die Familie. Egal was im Alltag los ist, wenn man hier ist, kommt man zur Ruhe, hat den direkten Blick in die Natur und genießt den Augenblick. Zuhause ist ein Ort, mit dem ich schöne Momente und Erinnerungen verbinde.


Welche Vision stand zu Beginn des Projektes?
Ich wollte ein Haus bauen, das gut strukturiert ist. Einfach, sachlich und modern in der Formsprache. Mit großzügigem Loft-Charakter im Erdgeschoss und verhältnismäßig kleinen Zimmern als Rückzugsorte im Obergeschoss. Raumhohe Verglasungen waren uns ebenfalls wichtig, um eine Verbindung zum Garten herzustellen.    


Was bedeutete das für Ihren Entwurf?
Ich machte den Entwurf gemeinsam mit meiner Frau. Wir hatten die Idee, die Schwerkraft scheinbar zu überwinden: Der obere, geschlossene Körper sollte zwar massig wirken, aber dennoch leicht auf möglichst wenigen Baukörpern aufliegen. Das war auch die größte statische Herausforderung beim Bau. Aber auf diese Weise erreicht man im Erdgeschoss die gewünschte Offenheit. Oben das Gegenteil: Zwar befindet sich hier ein weitläufiger Erschließungsbereich, die Zimmer hingegen sollten klein sein – nur um die 15 Quadratmeter. Perfekt um sich zurückzuziehen.

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Was ist Ihr persönliches architektonisches Highlight?
Die Treppe ist aus meiner Sicht der coolste Kunstgriff am Haus. Wir haben lange daran getüftelt, damit sie nicht im Raum steht und den großzügigen, hellen Wohnbereich unterbricht. Jetzt nimmt man sie kaum wahr, da sie sich aus der Wand heraus entwickelt. Sie nimmt sich zurück und sorgt für ein noch größeres Raumgefühl. Ebenso wie die großflächigen Schiebetüren. Mehr Offenheit geht kaum.


Worauf legten Sie bei der Materialwahl wert?
Ich wollte ehrliche Materialien nutzen: Backsteine, unverputzter Beton, drinnen geöltes Eichenparkett, draußen sibirische Lärche. All das altert ab dem ersten Tag, verändert sich, bekommt Patina und wird immer reizvoller. Es gibt Kratzer, Gebrauchspuren und es ist nie perfekt. Daran muss man sich zwar erst gewöhnen, dann fasziniert es. Es erinnert daran, das alles stets im Wandel ist. Am Beton lieben wir, dass er durch die Lichtreflektion auf dem Parkett immer wieder anders in Szene gesetzt wird. Je nach Wetter, Tages- und Jahreszeit ändert sich seine Farbe: An Sonnentagen fast weiß, bei trübem Wetter gelblich. So ändert sich auch regelmäßig die Wohn-Atmosphäre.

Die Verwendung von Sichtbeton gilt beim Bau allerdings als kniffelig.
Oh, ja. Durch Beton werden Maßstäbe gesetzt und alles andere muss sich unterordnen. Bei einem Neubau erwarten wir oft Neuwagenqualität. Davon muss man sich bei dem Werkstoff Sichtbeton verabschieden. Wenn die Oberflächen nicht total gerade sind, dann ist das so. Denkt man zum Beispiel an Bautoleranzen beim Rohbau. Oder wenn beim Einmessen Fehler passieren, dann ist die Sichtbetonwand fertig. Wegflexen, berichtigen und überputzen geht nicht. Man muss improvisieren und hoffen, dass man mit dem Ergebnis leben kann. Ein persönlicher Tipp: Immer genug Deckenspots einplanen. Denn auch da ist im Nachhinein nichts mehr zu machen. 

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Es war herausfordernd gleichzeitig als Bauherr, Architekt und Bauunternehmer zu agieren. In jeder Rolle hatte ich unterschiedliche Prioritäten, die ich unter einen Hut bekommen musste: Als Architekt stand die Ästhetik im Vordergrund. Als Bauherr hatte ich natürlich einen genaueren Blick auf die Finanzen. Als Bauunternehmer habe ich alles selber koordiniert und musste lernen zu akzeptieren, dass Mängel passieren und Sachen am Ende nicht perfekt werden. Am Ende habe ich viel über mich gelernt. Zum Beispiel, dass ein Wohnhaus keine Architekturikone sein muss.“

Carsten Joost

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Wie würden Sie Ihren Einrichtungsstil beschreiben?
Seit dem Einzug befinden wir uns in einem stetigen Prozess. Als wir eingezogen sind, haben wir die Möbel aus unser kleinen Altbauwohnung in Hamburg mitgenommen, die sahen hier recht verloren aus. Die Räume wirkten fast wie unmöbliert. Nach und nach richteten wir uns ein. Dabei ist unser Stil modern, reduziert und sachlich. Nicht minimalistisch, dafür sorgen schon unsere Kinder mit ihren Sachen. Jeder Raum wird von ihnen in Anspruch genommen und bespielt.


Wo befindet sich Ihr Lieblingsplatz im Haus?
Der Essplatz ist unser wichtigster Bereich – und damit verbunden die gefühlte Unbegrenztheit im Erdgeschoss. Hier findet in erster Linie das Familienleben statt. Die Kinder können spielen, toben und Dreirad fahren. Und über die großzügigen Schiebetüren wird die direkte Verbindung in den Garten ermöglicht. Im Sommer, mit aufgespanntem Sonnensegel, macht sie innen und außen tatsächlich zu einem Raum. Ist sie bei schlechtem Wetter geschlossen, schaut man dank der schmalen Profile dennoch uneingeschränkt in die Natur – ein tolles Lebensgefühl.

Was fällt Ihren Gästen an Ihrem Zuhause als erstes auf?
Geht es um die Fassade, werden wir häufig auf die gebaute Kombination aus Masse und Transparenz angesprochen. Das fasziniert viele. Und drinnen ist es der großzügige Wohnraum, der den Wow-Effekt auslöst. Beim Blick durch die großflächigen Fenster und Schiebetüren in den Garten fragt man sich zurecht, wo das Haus aufhört. Gefühlt endet der Wohnraum erst an der grünen Wand aus Linden und Weiden an der Grundstücksgrenze. Besucher kommen über diese optische Wohnraumerweiterung regelmäßig ins Staunen.


Würden Sie zum heutigen Zeitpunkt etwas anders machen?
Ich hinterfrage gerne erstmal alles, was an Technik auf ein Haus einströmt. Damals haben wir die Notwendigkeit einer Lüftungsanlage nicht gesehen. Da hat sich meine Einstellung etwas geändert. Es wäre schon praktisch über eine Anlage lüften zu können, gerade wenn keiner zuhause ist oder auch in Sachen Pollen. Ebenfalls nicht bedacht haben wir das Thema Mückenschutz. Wir kamen aus Hamburg, da gab es keine Mücken. Hier auf dem Land gibt es die ohne Ende und auf Beton sieht man sie einfach nicht. Zudem würden wir über einen Sonnenschutz im Erdgeschoss nachdenken.

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